Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 46.1920

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GEMÄLDE AUS DARMSTÄDTER PRIVATBESITZ.

(AUSSTELLUNG AM RHEINTOR: JUNI BIS SEPTEMBER 192O.)

Zur Zeit findet in Darmstadt neben der großen
Ausstellung „Deutscher Expressionismus"
auf der Mathildenhöhe in der neuhergerichte-
ten Kunsthalle am Rheintor eine Ausstellung
der Darmstädter Sammlertätigkeit der letzten
Jahrzehnte statt, worunter Namen wie Böcklin,
Thoma und Hodler vertreten sind.

Die Gesamtschau, die nicht in allen dort ge-
zeigten Bildern glücklich zu nennen ist, weist
Werke auf, die dem Geiste der Zeitschrift be-
sonders nahestehen, wobei das Werturteil wohl
mehr zu Gunsten der „expressionistischen"
Werke verschoben sein dürfte, wobei dem Im-
pressionismus — sagen wir in diesem Falle, um
es besser und deutlicher zu bestimmen — einer
gewissen breiteren Verdeutschung desselben
mit allen Vorzügen und Gefahren, das Beste

zu entlocken versucht wurde............

Diesen Geist zu beleuchten, möchte der Un-
terzeichnete sich bemühen. Es sind ausgestellt:
Werke von Eugen Zak und Julius Adam, von
Altheim und Willroider, Bader und Weisgerber,
Beyer und Weise, Böcklin und Weber, Buri
und Vlaminck, Bracht und Trübner, Caspar und
Caspar-Filser, Otto H. Engel, Tooby, Thoma,
Strich-Chapell, Th. W. Stein, Eberz, Steppes,
Seewald, Kopp, Kars, Eimer, Erich Erler, Au-

gust Gebhard, Grützner, Willi Geiger, Goos-
sens, Habermann, Heß, Hodler, Hoelscher, Hoet-
ger, Hofmann, Hüther, Jank, Kallmorgen,
Schwalbach, Schülein, Schuch, Schreuer, Lie-
bermann, Schönleber, Schinnerer, Roth, Raupp,
Putz, Püttner, Pechstein, Orlik und Oswald,
Lenbach und — Heinz Heim.............

Zuvörderst ist ein wundervolles Werk — ein
Aquarell „Drei nackte Frauen" — von Hoet-
ger zu nennen; außerordentlich sinnliche und
schöne Spannungen der Form sind in Frauen
der Natur abgelauscht und gefrieren zu einem
formalen Gebilde, das schöne und edle Gefühle
auslöst. Rodinverwandt, jedoch eher mit bester
griechischer Vasenmalerei vergleichbar.

Ein äußerst zarter, verhältnismäßig früher
Hodler, eine „Frühlingslandschaft", ganz ohne
die etwas geschwollene Pathetik seiner späteren
Bilder, fast naiv, mit eigenem Grün, Veilchen-
violett und vergilbtem Gelb frühlingshaft klin-
gend in gewisser Parallele — so paradox es
klingen mag — mit Kandinskyschen „Klängen".
Wohl aus derselben Zeit wie das schöne lis-
pelnde Bild — nicht die spätere Seelandschaft
— der Münchener Staatsgalerie.

Orchideenhaft kostbar — an Picasso und
Matisse erhitzt, ein Deutscher mit der „Pein-
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