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Wiesentals mit dem Quellgrund eines der Aue
zufließenden Baches (Schwarze Beeke). Sie
zeigen die an anderen Stellen heute kaum noch
so unverfälscht erhaltene Situation einer typi-
schen, aus wenigen Heidehöfen bestehenden,
eindeutig auf die Wasserquelle ausgerichteten
Siedlungsstruktur. Die selbstverständliche und
notwendigerweise enge Verbundenheit zu Natur
und Landschaft ist in dieser Dorflage auf
eindrucksvolle Weise nachzuvollziehen.
Aufgrund der Unterschutzstellung musste sie
ohne jegliche Siedlungsentwicklung auskom-
men und die Übergänge in die Landschaft blie-
ben ohne die üblichen, aus modernen Wohn-
häusern bestehenden Siedlungsränder.
Die vier bewohnten, historischen Hofstellen
wirken heute ohne landwirtschaftliche Nutzung
sehr aufgeräumt. Sie bilden zusammen mit den
wenigen, später hinzugekommenen, aber in
ihrer Bauart angepassten Gebäuden ein unge-
wöhnlich homogenes, denkmalwertes Gebäu-
deensemble aus Hofgruppen mit einer
besonders hohen Dichte an bedeutenden
Einzeldenkmalen. Die Ensemblewirkung wird

durch ihre direkte Lage zur Landschaft vervoll-
ständigt. Ihre zumeist begrünten und von Hofei-
chen gegliederten Parzellen mit den reet- und
teilweise strohgedeckten Gebäuden werden
entlang der zum Dreieck verbundenen, gepflas-
terten Dorfstraßen sowie am Talsaum von den
wallartigen Trockenmauern aus aufgeschichte-
ten Feldsteinen und wenigen Eichenbohlenzäu-
nen eingefriedet. Die Grundstücke werden
begleitet von alten, alleeartig gepflanzten Stra-
ßenbäumen, die auch den erhöhten Weg über
die Bachsenke begleiten.
Der talabwärts gerichtete Blick von dem erhöh-
ten Bereich am südlichen Ende des feuchten
Wiesentals aus ist besonders eindrucksvoll.
Diese Stelle war schon 1906/07 als Standort
des sog. „Heidemuseums“ ausgesucht worden,
dessen aus dem nördlichen Hanstedt translo-
ziertes, qualitätvolles Zweiständergerüst zu
diesem Zeitpunkt aufgrund einer Privatinitiative
hier aufgestellt wurde. Mit der Unterbringung
einer Sammlung und der Ausstattung der
Räume wird das Bild eines typischen Heidebau-
ernhofes vermittelt (Wilsede 9b). Eine jüngere

Wilsede, Wilsede 3B, Ziehbrunnen und Treppenspeicher


Bauaufnahme hat ergeben, dass das ehemalige
Wohnwirtschaftsgebäude im Kern aus unter-
schiedlichen Bauphasen seit dem 16. Jh.
stammt. Der älteste Teil ist wohl das ehemals
schmalere Flett, dessen kräftige Unterrähmkon-
struktion im 17. Jh. mit mächtigen Eichenstän-
dern in der Diele verbreitert worden war und
schließlich wohl im 19. Jh. durch den Wohnteil
mit einem auf Balkenköpfen vorkragendem
Obergeschoss ergänzt wurde. Der 1742
entstandene Wirtschaftsgiebel zeigt seitdem
eine symmetrische Kopfband- und Fußstreben-
gliederung. Die Ausfachungen mit symbolhaften
Zierausmauerungen (u.a. mit Hexenbesen,
Mühle) stammen jedoch aus der Zeit der
Neuaufstellung an diesem Ort.
Schon ein Jahr vor der Gründung des Natur-
schutzvereins war für die Museumsbesucher ein
zweites Gasthaus im Ort errichtet worden
(Wilsede 9). Der 1907 entstandene Entwurf für
den benachbarten Neubau stammte von dem
damals jungen Bardowicker Architekten Wilhelm
Matthies, der sich etwa seit 1899 für eine
Reform der ländlichen Bauweise im Sinne des
Heimatschutzes eingesetzt hatte und in diesem
Sinne zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser,
aber auch Bahnhöfe in der Umgebung gebaut
hat. Der zweigeschossige Haupttrakt stellt sich
noch heute als formenreicher Fachwerkbau dar,
mit historisierenden Konstruktionselementen,
wie u.a. Fußdreiecken sowie mit Zierziegeln. Er
steht auf einem behauenen Feldsteinsockel
unter ungewöhnlichem, allseitig tief herunter
gezogenem Walmdach. Teilweise sind noch
zeitgenössische Flügelfenster erhalten, während
der einseitig ausladende elegante Loggiatrakt in
jüngster Zeit durch einen angepassten Neubau
ersetzt wurde.
Westlich des Wiesentals steht auf dem erhöh-
ten, schmalen Platz zwischen Dorfstraße und
Wiesental das traufständige, bescheidene
ehemalige Wohnwirtschaftsgebäude des Brink-
hofes Hilmers, auch Berghof genannt (Wilsede
3), das seit längerem als Gästehaus dient. Es
war gleich nach der Gründung des Naturschutz-
vereins als erstes Wilseder Gehöft von diesem
aufgekauft worden. Die auf 1813 hinweisende
Datierung im Giebelbalken der Toreinfahrt ist
jedoch keinesfalls das Baudatum sondern
stammt aus der Zeit der einseitigen Verbreite-
rung und Erneuerung der Traufseiten dieses viel
älteren, in Unterrähmkonstruktion aufgebauten
Zweiständergerüstes. Die Kopfbänder im ehe-
maligen Flettbereich weisen durch ihre Profilie-
rungen auf einen möglichen Entstehungszeit-
raum schon vor oder um 1600 hin. Somit lässt
es sich trotz seines jüngeren Aussehens in die
kleine Anzahl der ältesten Hallenhäuser des
Kreises einreihen. Die Fassade war ursprünglich
nachweislich vollständig verbohlt und die Gefa-
che wurden sicherlich erst im 19. Jh. mit Ziegeln
ausgemauert. Dieser heute fast ausschließlich
bei Wirtschaftsgebäuden, wie Schafställen oder
alten Scheunen und insbesondere bei den Trep-
penspeichern vorkommende Wandaufbau war
in jener Zeit auch bei den Hauptgebäuden
üblich und verschwand, bis auf die teilweise
heute noch erhaltene Giebelverbohlung einiger
Bauten, bereits im Laufe des 18. Jh. Die üppi-
gen Schnitzereien an den Hölzern des Wirt-
schaftgiebels beinhalten wiederum unterschied-
liche historische, aber auch heimatartliche

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