Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 25): Baudenkmale in Niedersachsen: Landkreis Soltau-Fallingbostel — Braunschweig, 2001

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BAUGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Kirchen und Klostergebäude
Die kirchliche Organisation des Landkreises geht auf die Gründung des sächsischen Bistums
Minden durch Kaiser Karl den Großen gegen Ende des 8.Jh. zurück. Nach der gewaltsamen Chris-
tianisierung Sachsens wurde das Land vor allem durch das im Zentrum der Mindener Diözese
stehende Archidiakonat Ahlden mit seinen 17 Kirchspielen (1632) über Jahrhunderte geprägt. Der
nördliche Bereich mit Schneverdingen und Neuenkirchen sowie auch zeitweise Munster gehörte
dem Verdener Bistum an. Mit der Verbreitung der christlichen Lehre hatte auch eine intensive
Kirchenbautätigkeit eingesetzt, die bis zum 13.Jh. die Mehrzahl der heutigen Kirchorte im Landkreis
erfasste. Einige dieser ältesten Kirchengründungen fanden im 12.Jh. erste urkundliche Erwähnung,
wie die in Düshorn, Soltau, Walsrode, Schwarmstedt; die meisten im Laufe des 13.Jh.
In diese frühe Phase fällt insbesondere auch die Gründung des Klosters Walsrode, dessen Existenz
wahrscheinlich schon vor 974 begann und bereits 986 urkundlich bezeugt ist. Dieses einzige, in den
Grenzen des heutigen Landkreises gegründete Damenstift gilt als das älteste der insgesamt sechs
Stifte in der Lüneburger Heide. Es hatte nur kurzzeitig den Status eines Klosters und verfügte im
Laufe der Zeit vor allem durch Schenkungen über das Patronat zahlreicher Kirchen und war Grund-
herr von Hofanlagen sowie ganzer Dörfer. Das Stift hatte bereits 1176 die Kirche zu Walsrode
gekauft. Schließlich entwickelte sich daraus ein eigenes kleines Amt innerhalb des Fürstentums
Lüneburg, das ab 1835 mit dem Fallingbosteler vereinigt wurde. Ein Teil der ersten Basilika (in roma-
nischer Bauweise wohl vom Ende des 13.Jh. mit Erweiterungen vom beginnenden 14.Jh.) bildet
heute den südlichen Querarm der im 19.Jh. neu aufgebauten Walsroder Johanniskirche, der in den
alten, von Backsteinmauern umgrenzten Klosterbezirk einbezogenen wurde. Dieser beherbergt
weitere historisch bedeutsame Gebäude, wie das ehemalige halbprofane Kapitelhaus (jetzt Remter)
als sicherlich ältestes Backsteinhaus des Kreises aus der Zeit des Wiederaufbaues infolge eines
Brandes von 1482 sowie zahlreiche gestiftete Wohngebäude in Fachwerkkonstruktion unterschied-
lichen Datums, u.a. die beeindruckende, schlichte Wohnanlage des Architekten J. C. Borchmann
aus dem 18.Jh., u.a. mit barocken Eingangstüren im Inneren.
Aufgrund der dichteren Besiedelung und der Herausbildung größerer Siedlungen sind im vormaligen
südlichen Kreisgebiet Fallingbostel vor allem in der Aller-Leineniederung sowie auf den fruchtbaren
Grundmoränen der nördlich anschließenden sog. Heidmark weitaus mehr Kirchenbauten vorhanden
als in dem sandigen, dünn besiedelten nördlichen Kreisgebiet von Soltau, mit den heute noch
ausgeprägteren Heidegebieten der Endmoränenketten, wie der Hohen Heide als nördlichem
Abschluss. Das vormalige Amt Soltau wies bis ins 20.Jh. hinein nur sieben Kirchen auf. Heute
verteilen sich hier einschließlich der drei Soltauer Kirchen elf der im Landkreis als denkmalwürdig
erkannten 35 Kirchen und Kapellen.
In der Architektur hatte sich seit dem 12.Jh. anstelle der frühen, auf Feldsteinen gegründeten Holz-
kapellen der Massivbau durchgesetzt. Diese schlichten romanischen Rechtecksäle, die längsaufge-
schlossen und mit einer gerade abschließenden Decke sowie einem eingezogenen rechteckigem
oder quadratischem und durch einen Bogen mit dem Schiff verbundenen Chor ausgeführt waren,
fanden bei den kleinen Dorfkirchen bis in die Gotik hinein eine weite Verbreitung und bilden die
Grundlage der meisten heutigen Kirchenbauten im Landkreis.
Als Bauzeugnisse aus romanischer Zeit treten heute zumeist Fundamente oder auch Wandab-
schnitte zwischen den späteren Aufbauten in Erscheinung. In Einzelfällen, wie vor allem in Kirchwah-
lingen aber auch in Kirchboitzen, in Gilten und Schwarmstedt weisen die meterdicken, quadrati-
schen Untergeschosse mächtiger Westturmwerke auf spätromanische Ursprünge etwa seit dem
Beginn des 13.Jh. hin. An Baumaterialien benutzte man in dieser Zeit vor allem handliche Feldstei-
ne, die zumeist in Schichten vermauert waren sowie unterschiedlich große, teilweise gespaltene
eiszeitliche Findlinge (vor allem Granite), denen vielfach das in den benachbarten Niederungen
abgebaute Ortgestein, hier die typischen Raseneisensteine, beigemischt war.
Der Typus eines frühen Massivbaus ist am besten in der kleinen zweijochigen Meinerdinger Feld-
steinkirche in Honerdingen/Stadt Walsrode zu erkennen. Ihre Erbauung wird im allgemeinen auf den
Beginn des 13.Jh. datiert. Davon zeugen die kräftigen, bis zu einen Meter dicken Grundmauern
einschließlich des eingezogenem rechteckigen Chors, die trotz jüngerer gotischer Backsteinaufmau-
erungen prägend blieben und nicht durch Anbauten überformt wurden.
Gleichzeitig mit dem Eindringen der Gotik nach 1250 wurde die Feldsteinmauerung immer mehr
durch den Ziegelstein verdrängt. Das früheste nachgewiesene Zeugnis dieser Bauweise stellt die
1330-52 errichtete gotische Backsteinkapelle in Eickeloh dar, die den (dendrochronologisch nach-
gewiesen) ältesten Dachstuhls des Landkreises besitzt. Ihr rechteckiges Schiff wird von einem
eingezogenen Rechteckchor mit rundbogigem Durchgang abgeschlossen. Sie diente zwischenzeit-
lich als gutsherrliche Grabkapelle und ist heute wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die infolge
eines Ablassbriefes ebenfalls datierbare „Alte Kirche“ in Bispingen, die um 1353 in ähnlicher Grund-
rissform mit Schichten unterschiedlich großer Steine wohl eines Vorgängerbaus aufgebaut worden
ist, wurde jedoch in unterschiedlichen Phasen stark überformt und wohl infolge von Zerstörungen
im Dreißigjährigen Krieg durch den heutigen Chorschluss verlängert. Auch die Münsteraner Kirche
zählt mit Mauerwerksresten des 13./14 Jh. und einem annähernd lagerhaften Feldsteinmauerwerk

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