Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 25): Baudenkmale in Niedersachsen: Landkreis Soltau-Fallingbostel — Braunschweig, 2001

Page: 221
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traufständigen Stall/Scheune früher die einzige
Hofzufahrt. Durch eine fehlende Nutzung ist ihr
kräftiges, gleichmäßiges Gefüge mit den eck-
ständigen Fußstreben und Ziegelausmauerun-
gen heute weitgehend desolat. Besser erhalten
ist dagegen der allseitig verbohlte bzw. verbret-
terte Speicher, der in Hochrähmzimmerung mit
durchgezapften Ankerbalken wohl in der 2. Hälf-
te des 18.Jh. errichtet worden ist. Das Drempel-
geschoss dient noch heute zur Lagerung.
Die kleine um 1800 errichtete Scheune auf der
gegenüberliegenden Seite der Dorfstraße fällt
auf durch ihr kräftiges Oberrähmgefüge mit den
eingehälsten Ankerbalken, durch die knappe
Giebelvorkragung und die gleichmäßigen quer-
gelagerten Gefache. Wohl etwa gleichzeitig mit
dem Giebelanbau ist in jüngerer Zeit das Dach
mit Blechplatten gedeckt worden.
Um 1820 sind die beiden Hauptgebäude der
Hofanlage Dorfstraße 4 in der Dorfmitte ent-
standen, die rechtwinklig zueinander um die mit
Feldsteinen gepflasterte Hoffläche stehen. Ins-
besondere die traufständig zur Straße stehende
Fachwerkscheune unter Halbwalmdach mit den
drei Querdurchfahrten prägt die Anlage. Auch
das in einem Garten zurückliegende gut erhalte-
ne mächtige Vierständer-Hallenhaus beein-
druckt durch sein intaktes, regelmäßiges ausge-
mauertes Gefüge mit Wandständern unter dem
hohen Halbwalmdach. Der symmetrische Wirt-
schaftsgiebel besitzt eine tief eingezogene Vor-
schauer mit Inschriften und Datierung. Der teil-
weise massive, teilweise in Fachwerkbauweise
errichtete Stall ist wohl erst um 1910 entstan-
den.
Etwa zur gleichen Zeit ist die gesamte, eng
bebaute Hofanlage Grethemer Hauptstraße 2
an der Ortsdurchfahrt der Landesstraße auf
einer alten Hofparzelle errichtet worden. Sie
besteht aus vier ab 1908 überwiegend in Ziegel-
bauweise errichteten Gebäuden. Das Wohn-
haus mit der seitlich im Winkel angebauten lang-
gestreckten Stallscheune ist in repräsentativem
Stil errichtete. Es besitzt ein vorkragendes
Drempelgeschoss in Zierfachwerk mit verputz-
ten Gefachen sowie ein Zwerchhaus über dem
traufseitig knapp vorspringenden Mittelrisalit.
Aufwendig geschnitzte Vorgespärre und histori-
sche Verbretterungen kennzeichnen auch den
Scheunengiebel. Die rückseitig quergestellte
Fachwerkscheune mit außermittiger Längs-
durchfahrt hat eine massive Längswand.
Eine Siedlungserweiterung außerhalb des alten
Dorfkerns hat Grethem erst zu Beginn dieses
Jahrhunderts erfahren. Dies geschah, nachdem
man ab 1905 im Nordwesten jenseits der Lan-
desstraße sowie im südlich benachbarten Ort
Gilten große abbauwürdige Salz- und Kali-
Lagerstätten gefunden hatte. Die dort ab 1911
errichteten Schachtanlagen wurden aber bereits
ab 1925 wieder stillgelegt und anschließend ge-
flutet, so dass heute außer den Flesten zweier
Abraumhalden nur noch wenige der zahlreichen,
inzwischen umgenutzten Betriebsgebäude er-
halten sind. Diesen Ursprung haben auch die
Umspannstation an der Durchgangsstraße so-
wie die engstehenden Siedlungshäuser der sog.
Neubürger zu beiden Seiten der Landesstraße
zwischen Grethem und dem nahen Bahnhof auf
Giltener Gemeindegebiet. Ein gesondertes, zu

dem Schachtgelände führendes Gleis der Eisen-
bahn von Celle nach Verden ist abgebaut wor-
den, ebenso wie der gesamte Gleiskörper die-
ser ehemals für die Region bedeutenden Bahnli-
nie.
An diese wichtige Entwicklungsphase erinnert
heute noch das ungewöhnlich große zweige-
schossige Gebäude der früheren Bahnhofsgast-
stätte Bahnhofstraße 1, das direkt an der
ehemaligen Kreuzung der Gleise mit der Lan-
desstraße liegt. Die langgestreckte, straßenbe-
gleitende Traufseite des um 1910 entstandenen
Gebäudes ist unverkleidet und wird durch einen
außermittigen zwerchhausbekrönten Risalit ge-
gliedert. Zusätzlich zu der für die dörfliche Ge-
gend ungewöhnlichen Zweigeschossigkeit un-
terstreicht die repräsentative Wirkung des Ge-
bäudes der reiche Schmuck durch Giebelvorge-
spärre und phantasievolles Zierfachwerk. Den
Denkmalwert steigern zusätzlich die wohl noch
original erhaltenen Türen und Fenster. Zur Anla-
ge gehört nordseitig eine giebelständig zur Stra-
ße stehende langgestreckte Fachwerkscheune
mit Querdurchfahrten, die ähnliche, jedoch
weniger Zierelemente aufweist.

GRETHEM-BÜCHTEN

Die bereits im 8./9.Jh. als „Buchen“ oder
„Buochem im Loingau“ erwähnte Siedlung,
zwischen Büchtener Heide im Westen und dem
Allertal im Osten, weist aufgrund von Urnen-
und Gräberfunden auf einen Besiedlungszeit-
raum seit der frühen Bronzezeit hin. Sie gehörte
zum Kirchspiel und auch zum Amt Ahlden,
obwohl die Mehrzahl der ehemals 16 abgabe-
pflichtigen Hofstellen (1858) seit frühester Zeit
dem Amt Rethem und eine dem Kloster Walsro-
de verpflichtet waren.
Der historische Dorfkern im Norden der heutigen
Ortslage wird erst seit der Verkopplung 1847
von der Ortsdurchfahrt der Landesstraße 191 im
Westen tangiert. Die alte Verbindungsstraße
führte von der heutigen Gabelung an nach Nor-
den mitten durch die Ortslage mit den beidseitig
aufgereihten Hofanlagen in das etwa drei Kilo-
meter entfernte Ahlden. Die Nähe zur Alten
Leine und zu der etwas weiter entfernten Aller
hat auch für Büchten jahrhundertelang die Mög-
lichkeit zur Nutzung der Allermarschwiesen ge-

Grethem, Fährweg 2, Hofanlage


Grethem, Bahnhofstr. 1, ehern. Gaststätte, um 1910


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