Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 25): Baudenkmale in Niedersachsen: Landkreis Soltau-Fallingbostel — Braunschweig, 2001

Page: 223
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meinde Schwarmstedt gelebt, und auch ein seit
1330 erwähntes Hademstorfer Geschlecht be-
saß bis ins 17. Jh. wohl nur einen Hof in
Schwarmstedt.
Hademstorf, das bis zur Kreisgründung dem
Amt Ahlden und kirchlich dem Archidiakonat
Ahlden angehörte, besaß keine eigene Kirche,
sondern war seit der Stiftung der Kirche 1296
nach Eickeloh eingepfarrt.
1858 werden 16 pflichtige Hausstellen, ein
Schulhaus sowie eine Posthalterei verzeichnet
und noch um 1900 sieben Vollmeierhöfe, zu
denen das auffallend stattliche, langgestreckte
Wohnwirtschaftsgebäude des ehemaligen Post-
hofes, Hannoversche Straße 16, zu rechnen
ist, das heute nordöstlich der Ortsdurchfahrt
hinter seinem Gartengrundstück mit Eichenbe-
stand traufständig zurückliegt. Mindestens seit
1677 war die Posthalterei Hademstorf Um-
spannstation mit Schenke und Herberge an den
bedeutenden Postrouten der „fahrenden und
reitenden Post“ Hannover-Walsrode nach Stade
und Braunschweig-Celle-Bremen. Als diese
1855 nach Essel verlegt wurde und um die
Jahrhundertwende die Eisenbahnverbindungen
entstand, verlor sie ihre Bedeutung ganz. Dieser
Fachwerkbau ist der älteste in dem Dorf erhalte-
ne und wurde laut Datierung im Wirtschaftsgie-
bel 1691 von Johann von Bothmer errichtet. Er
wurde wohl aufgrund seiner besonderen Nut-
zung bereits als Vierständer-Hallenhaus aufge-
führt und trägt heute noch ein hohes am Wirt-
schaftsgiebel abgewalmtes Satteldach, in das in
jüngerer Vergangenheit im Bereich des ehemali-
gen Wohntrakts auf zwei Ebenen Wohnräume
eingebaut wurden, mit je drei kleinen Sattel-
dachgauben an den Traufseiten. Der unlängst
renovierte südseitige Wirtschaftstrakt ist trotz
Einbau einer Arztpraxis nur wenig verändert
worden. Die Gefache des prächtigen symmetri-
schen Viertelwalmgiebels mit tiefem Vorschauer
wurden mit Rotziegeln anstelle der teilweise
traufseitig noch vorhandenen Lehmausfachun-
gen ausgemauert. Unterhalb der auf gerundeten
Stichbalkenköpfen und entsprechenden Füllhöl-
zern gelagerten zweifachen Vorkragungen sind
an den Ständern Spuren wohl ehemaliger Knag-

gen zu erkennen. Beide Trakte stehen auf einem
erneuerten Ziegelsockel. Die kräftigen Ständer
des Innengerüstes mit den Knoten des Unter-
rähmgefüges liegen teilweise frei. Ehemals hat
der Einbau der hohen Fensteröffnungen (mit den
heute neuen, denkmalgerechten Fenstereinbau-
ten) wohl zu Gefügeänderungen in Form von
Doppelständerreihen, besonders auf der Trauf-
seite, geführt.
Die kleine etwas erhöht liegende Hofanlage
Heckenweg 3, nördlich des Posthofes, ist ab
1883 entstanden, nachdem der Vorgängerbau
ein Jahr zuvor abgebrannt war. Sie erscheint vor
der Kulisse des sich nach Osten erstreckenden
Waldes. Das verhältnismäßig große, als Vierstän-
derbau unter Halbwalmdach errichtete Wohn-
wirtschaftsgebäude wird bestimmt durch das
außermittige breite Zwerchhaus, das über der
doppelflügeligen historischen Eingangstür mit
Oberlicht liegt. Geschosshohe Eckstreben glie-
dern das schlichte, meist quadratische Gefüge.
Das frühere mittige Einfahrtstor im Ostgiebel ist
durch den Einbau eines Fenster-Tür-Elmentes
verändert worden. Die kleine Querdurchfahrts-
scheune und der langgestreckte Stall weisen
ähnliche Gefügemerkmale auf.
Auf der Südseite der Ortsdurchfahrt fällt das
inmitten eines Gartengrundstücks zurückliegen-
de hohe Halbwalmdach des kleinen Wohnwirt-
schaftsgebäudes Schulweg 1 auf. Es ist als
Brinksitzerhof am Rande des früheren Dorfkerns
entstanden und vermutlich, wie der fünfteilige
Sandsteinbrunnen von 1829, in der 1. Hälfte
des 19.Jh. errichtet worden. Das großfachige
Gefüge des Vierständerbaus ist an nördlicher
Traufseite und straßenseitigem Giebel durch
nachträgliche Fenster-/Haustüreinbauten z.B.
anstelle eines Einfahrttores verändert worden.
Vom Dorfkern kommend in nordwestlicher Rich-
tung, etwa zwischen Hademstorf und Eickeloh,
fließt die von Süden kommende Leine in spitzem
Winkel in die Aller, seitdem sie diese Mündung in
der 1. Hälfte des 17.Jh. nach den großen Ver-
änderungen des Allerbetts gefunden hatte. Ob-
wohl auf der Aller seit jeher ein schwacher
Schiffsverkehr geherrscht hatte, wurden größere

Regulierungsmaßnahmen erst ab 1890 mit der
beginnenden Industrialisierung des Celler Rau-
mes notwendig. Durch eine Kanalisierung der
Aller zwischen Celle und Leinemündung sollten
Untiefen vermieden, Flussschleifen gemindert
und Uferabbrüche verhindert werden. Beschleu-
nigt durch die verstärkte Handelsschifffahrt
wurden ab 1908 bis 1916 die von der Preußi-
schen Wasserbauverwaltung geplanten vier
Staustufen mit einer 100 Meter langen und zehn
Meter breiten Schleppzugschleuse in Hadems-
torf umgesetzt. Die übrigen Regulierungsmaß-
nahmen zogen sich mit Unterbrechungen durch
die Weltkriege in die Länge und wurden mit ver-
ringerten Standards als geplant ausgeführt.
Nachdem die Aller seit 1956 mit kleineren Mo-
torschiffen der Kaliindustrie wieder befahren
wurde, findet heute nur noch Sport- und Perso-
nenschifffahrt statt.

Staustufe mit Schleusenanlage
Diese sog. vierte Staustufe bei Hademstorf kurz
vor der Leinemündung verbindet auf kürzestem
Wege beide Flüsse miteinander. Der gesamte
Komplex An der Schleuse 1 besteht aus der
Schleusenanlage selbst mit Kammersystem von
1914, dem Wehr von 1915 im Allerarm, der evtl,
älteren, von ihrem früheren Platz beim Wehr
hierher versetzten Seilzugfähre und dem gleich-
zeitig mit der Gesamtanlage gebauten Wohn-
haus des Schleusenmeisters. Das inselartig ein-
geschlossene Gebiet der Großen Marsch ist
über die Brücke am Ende des Hansadammes,
im Norden von Hademstorf, erreichbar und von
Süden über die Fähre, deren Anlegestelle von
Bäumen gesäumt ist. Mit 30 t Belastung ist sie
bei jedem Wasserstand benutzbar. Pappelreihen
begleiten von weitem sichtbar die hochwasser-
freien Kammern der Schleuse, die in den siebzi-
ger Jahren mit Betonwänden verstärkt worden
ist. Die historischen Winden zum Öffnen der
Schleusen sowie auch die Seilzugwinde der
Fähre sind gut gepflegt. Die Wehranlage ist
durch Stahlspundwände an den Ufern und ei-
nem Geländer am Überweg modernisiert wor-
den. Bei dem Wohnhaus, einem durch Halb-
walmdach mit Zwerchgiebel und erhöhten


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