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Alten Überlieferungen zufolge war der nördlich
anschließende, wohl weitaus ältere Ortsteil
Delmsen zunächst Standort einer heidnischen
Opfer- und Gerichtsstätte, die wahrscheinlich im
Zuge der Christianisierung zur Gründung einer
ersten Kapelle geführt hatte, die nach Visselhö-
vede eingepfarrt gewesen sein soll.
Ein neuer Kirchenbau, nach dessen Gründung
die Siedlung „Nyenkerken“ wohl benannt wurde,
war erstmals an dem heutigen Standort in dem
erhöhten Bereich auf der südlichen Talrandter-
rasse des Hahnenbaches erfolgt. Die Kirche
wurde erstmals 1273 in einer Lüneburger
Schenkungsurkunde erwähnt, obwohl der Na-
me als Herkunftsort eines Adelsherrn bereits
1139 vorkommt. Der Bau war anscheinend zu-
nächst der heiligen Anna geweiht aber bereits
1407 erscheint ein Kirchensiegel mit dem Heili-
gen Bartholomäus. Neuenkirchen wurde eines
von neun dem Archidiakonat Sottrum in der
Diözese Verden angehörenden Kirchspielen. Ihr
Pfarrbezirk umfasste, bis auf drei zusätzliche,
westlich angrenzende Orte, den heutigen Ge-
meindebereich.

der beiden verdachten Portale, der maßwerkar-
tigen Fenster oder im Traufen- und Ortgangbe-
reich.
Eine einheitliche, zeitgenössische Ausstattung
beherrscht den einschiffigen Innenraum. Im Vor-
dergrund stehen die umlaufende, auf be-
schnitzte Säulen aufgestellte, U-förmige Holz-
empore und die hölzerne Decke mit Abhänglin-
gen, die die äußere Jocheinteilung wiederholen.
Die zeitgenössische Orgel auf der Westempore
wurde 1960 durch einen Neubau von E. Ham-
mer, Hannover, ersetzt.
In dem hohen Chorraum fällt der Blick auf die
gut gearbeitete, überlebensgroß dargestellte
Triumphkreuzgruppe aus bemaltem Eichenholz,
die aus der Vorgängerkirche stammt und über
dem Altar wieder aufgestellt worden ist. Des
Weiteren ist der bereits gegen Ende des 14.Jh.
entstandene bronzene Taufkessel noch in Funk-
tion, der hier auf drei als Jünglinge dargestellten
Trägerfiguren lastet und in der oberen der zwei-
geteilten Wandung eine linksläufige Spiegel-
schrift mit der Nennung des Stifters aufweist.

Die steinerne Taufschale darin ist 1682 entstan-
den. Beeindruckend ist auch die an der Ost-
wand des Choreingangs aufgestellte monumen-
tale Sandsteinplatte, die 1593 gearbeitet wor-
den ist und eine bildliche Darstellung des
verstorbenen Neuenkirchener Pastors Johann
Jentis zeigt. Nach der 1880 erfolgten Einebnung
des Friedhofes sind drei aus dem 19.Jh. stam-
mende Grabsteine der letzten Müllerfamilie in
Neuenkirchen an die Außenwand der Kirche
versetzt worden.
In das bestehende, denkmalwerte Ensemble auf
dem parkartigen, von alten Eichen bestandenen
und z.T. eingezäunten Gelände des früheren
Kirchhofs ist auch die Parzelle des alten Pfarrho-
fes mit dem Pfarrgarten integriert. Heute wird
diese östlich anschließende, ehemalige Hofanla-
ge von rechtwinklig um eine Hoffläche angeord-
neten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie
von einem modernen Gemeindehaus gebildet,
Hauptstraße 6. Das Pfarrhaus und die Pfarr-
scheune sind nach dem Brand der Vorgänger-
bebauung 1863 in etwas veränderter Lage na-
hezu gleichzeitig wieder aufgebaut worden. Bei-

Von diesem ersten Kirchenbau, der in drei
Bauabschnitten errichtet und aus einem Feld-
und Backsteinmauerwerk mit überwiegend goti-
schen Stiielementen bestanden haben soll, sind
nach dem 1879 erfolgten Abbruch einige be-
deutende Ausstattungsgegenstände erhalten
geblieben, die in den Nachfolgebau integriert
worden sind.
Dieses heutige Kirchengebäude ist 1880 nach
Plänen des Stader Baumeisters Schwägermann
als ost-west-gerichteter roter Backsteinbau mit
den damals vielfach üblichen neugotischen
Formen entstanden. Sein fünfjochiges Langhaus
unter Satteldach mit einem eingezogenen 5/8-
Chor wird außen durch Wandstreben in fünf
Fensterachsen mit übereinander liegenden
Fenstern gegliedert. Den Übergang von dem
schlanken Westturm zum Kirchenschiff bilden
beidseitige Treppenaufgänge. Das auf einen
Ziegelsockel aufgesetzte Mauerwerk wird von
dekorativen Zierziegelsetzungen aus teilweise
glasierten Formsteinen gegliedert, so im Bereich

Neuenkirchen, Preuß. Landesaufnahme, 1897 (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen)



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