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derbau der kleinen, in der Mitte von zwei weite-
ren Nebengebäuden gelegenen Scheune mit
hohem, einseitig abgewalmten Dachstuhl und
diversen Nebenzugängen ist sicherlich im
Bereich des Steilgiebels verändert worden.
Weiter südlich an der Zuwegung zum neuen
Friedhof schließt sich das um 1860 auf dem
Eckgrundstück erbaute Wohnhaus an, das
sicherlich als Altenteiler eines der nördlich gele-
genen Höfe entstanden ist (Auf dem Horn 8).
Dieser eingeschossige, massive und verputze
Baukörper unter Halbwalmdach fällt durch sein
giebelseitig mittiges Einfahrtstor auf, das um
1930, evtl, beim Bau einer kleinen Werkstatt, als
Hauseingang mit jugendstilartig geformter, wei-
ßer Umrandung und einem schön gegliederten
Fenstertürelement umgestaltet worden ist.
Auf den idyllisch gelegenen alten Hofparzellen
am Nordrand des Kirchengeländes sind lediglich
einzelne kleine Nebengebäude unveränderte
Zeugen einer überwiegend im 18.Jh. entstande-
nen Bebauung. Der 1736 errichtete Speicher-
bau unter Reetdach steht auf dem Gelände des
ehemaligen Halbhofes „Springhornhof“, des
heutigen Neuenkirchener Kunstvereins, dessen
übrige Gebäude keinem Gesamtgefüge zuge-
ordnet werden können, Tiefe Straße 4. Der
Speicher ist 1970 hierher versetzt worden. Sein
Giebel weist eine Treppenanlage und mittige
Zugänge bzw. Ladeöffnungen auf. Er weist ein
seltenes zweigeschossiges und geschossweise
verbohltes Gerüst in Oberrähmverzimmerung
mit durchlaufenden Ständern und eingezapften
Deckenbalken auf. Beeindruckend sind vor
allem die kunstvoll profilierten Knaggen, die in
den Gebäudeecken und an den Traufseiten die
Oberrähme bzw. Dachbalken unterstützen.
Die am Eingang zum Nachbarhof stehende klei-
ne Scheune ist wohl etwa zeitgleich mit dem
1782 aufgebauten, aber ziemlich veränderten
Haupthaus entstanden, Tiefe Straße 6. Ihr stark
renovierungsbedürftiges, längsaufgeschlosse-
nes Dreiständergerüst in Unterrähmverzimme-
rung ist wohl nachträglich vertikal verbreitert
worden. Am Giebel lehnt ein etwa zeitgenössi-
scher, reetgedeckter Anklapp mit einer teilweise
erhaltenen eichenen Verbohlung.

Neuenkirchen, Bahnhofstr. 11, Speicher, Detail


In Erinnerung an die ehemals vorherrschenden,
großparzelligen Heidehöfe mit ihren zahlreichen
Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, die sich ent-
sprechend ihrer Nutzung zueinander gruppierten
und zur Veranschaulichung für Fremde, wurde
am Ortsrand auf dem stillgelegten Grundstück
der Molkerei nordwestlich der Kirche ein sog.
Heimathof eingerichtet, der nach und nach mit
translozierten Gebäuden aus der näheren
Umgebung aufgebaut worden ist. Zur Be-
standssicherung ist auch der um 1975 restau-
rierte Treppenspeicher entfernt von seiner
Hofstelle wieder aufgebaut worden. Er steht in-
mitten einer von Wald umgebenen dreieckigen
Grünfläche nördlich der Kreuzung Kabenstra-
ße/Lohweg. Sein ursprünglich 1814 aufgebau-
tes, 1 1/2-geschossiges Oberrähmgefüge mit
eingehälsten Ankerbalken und einer Zwischen-
decke steht auf großen, einzelnen Findlingen.
Traufseitig führt ein mittiges Türenpaar ins Inne-
re. Das Äußere des reetgedeckten Speichers ist
teilweise verbreitert oder verbohlt worden.
Die Bebauung im Kernort weist in den histori-
schen Straßen der Ortsmitte das Bild einer länd-
lichen Geschäftsstraße auf, die aus straßenbe-
gleitenden, zumeist traufständigen Bauten für
Verwaltung, Handel und Gewerbe aber auch
Wohnen besteht, welche seit dem 19.Jh. auf
den vielfach erst im 18.Jh. parzellierten, gleich-
mäßigen Grundstücken in ursprünglich offener
und zumeist giebelständiger Bauweise erstellt
wurden. Bereits im 18.Jh. hatten sich an der
Haupt- und der Bahnhofstraße Handels- und
Handwerksbetriebe niedergelassen sowie si-
cherlich aufgrund der verkehrsgünstigen Lage
auch vier Krüge oder Gastwirtschaften, die alle
zunächst in Nebentätigkeit zur Landwirtschaft
betrieben wurden.
Ab 1758 begann eine planmäßige Ansiedlung
von sog. Neubauern. Diese setzte sich mit wei-
teren rechtwinklig geschnittenen Parzellen ins-
besondere entlang der westlichen Fortführung
der Hauptstraße, der Herteler Straße fort. Auf
diesen Höfen stehen heute eine Reihe von
denkmalwerten giebelständigen Gebäuden, die
diese Neuansiedlungen des 18. und des 19.Jh.
repräsentieren.

Nahe am historischen Dorfrand liegt das Grund-
stück Herteler Straße Nr. 9. Es ist aufgrund
dieser Lage ein Beispiel der frühen Siedungser-
weiterung. Das wahrscheinlich 1762 errichtete
Zweiständer- Hallenhaus weist ein Unterrähm-
gefüge unter Dreiviertelwalmdach auf und ist auf
einem niedrigen, teilweise verputzten Feldstein-
sockel aufgebaut worden. Es hat seit einer
Rekonstruktion im Jahre 1986 seinen ursprüng-
lichen Charakter (wiederjerhalten, einschließlich
einer Reetdeckung und der Flügelfenster. Insbe-
sondere der straßenseitige, durch das mittige
Einfahrtstor, die beidseitigen Kübbungen und
halbhohen Eckstreben fast symmetrisch geglie-
derte Wirtschaftsgiebel mit dem verbohlten
Giebeltrapez erscheint heute wieder in seiner
ursprünglichen Gestaltung.
Aus einer späteren Phase der Besiedelung der
Herteler Straße stammen die beiden Hallenhäu-
ser Nr. 16 und 25, die sich gegenüber liegen.
Sie wurden hier ab 1828 nach dem verheeren-
den Feuer sicherlich an Stelle der innerhalb der
Dorfmitte zerstörten Höfe wieder aufgebaut.
Während das nordseitige, von Eichen umstan-
dene und heute als Wohngebäude genutzte
Zweiständerhaus unter reetgedecktem Halb-
walmdach ein engmaschiges, restauriertes
Gefüge mit wandhohen Eckverstrebungen bein-
haltet, ist das 1829 südseitig entstandene
Wohnwirtschaftsgebäude als typisches Vier-
ständerhaus errichtet worden. Es hat seit einem
Umbau mehrere moderne Fenster sowie eine
kleine Dachgaube im neuen Reetdach erhalten.
In der Zeit nach der Gemeinheitsteilung und Ver-
kopplung in Neuenkirchen (1826-43) und be-
sonders in den sog. Gründerjahren ab der
2. Hälfte des 19.Jh. erfuhren die meisten Bau-
ernschaften und insbesondere auch Neuenkir-
chen selbst tiefgreifende, heute noch spürbare
Veränderungen. Dies waren vor allem weitere
Siedlungsausdehnungen entlang der größeren
Erschließungsstraßen, Straßenverbreiterungen
und ihre Befestigungen sowie die Pflanzung von
Baumalleen. Diese sind neuerdings oft dem ver-
breiterten Ausbau der Ortsdurchfahrten zum
Opfer gefallen.
Der wirtschaftliche Aufschwung hatte in länd-
lichen Gemeinden auch zur Gründung kleinerer

Neuenkirchen, Herteler Str. 9, Wohnwirtschaftsgebäude, wohl 1762


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