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wie dem alten, zuerst 1198 erwähnten Kloster-
besitz und Vollhof Gut Graesbeck. Dieses ist
heute noch südöstlich von Walsrode zwischen
Waldgebiet und dem Wiesen- und Ackerland
am Rande eines Geestrückens zu finden, im
Bereich von zwei früheren Ziegeleien und einer
im 17.-19.Jh. bedeutenden Papiermühle.
Neben den zahlreichen, auch modernen Hofge-
bäuden mit dem mächtigen, um 1900 zum rei-
nen Wohnhaus umgebauten Wohnwirtschafts-
gebäude von 1836 ist auf dem Gutshof lediglich
ein kleiner, bis auf das Giebeldreieck verbohlter
Getreidespeicher in seiner Ursprungsform erhal-
ten geblieben. Er ist vermutlich im letzten Viertel
des 18.Jh., in Stockwerksabbund mit Ladeluken
über der giebelseitigen Eingangstür und Boden-
luke im Inneren entstanden.
Auch Vorwalsrode begann aufzublühen, als ab
1910 die Kleinbahn entlang der Böhme nach
Verden in Angriff genommen wurde und hier ein
Bahnhof entstand. Diese Entwicklung stärkte
auch die Bedeutung der zwischen den Bahn-
strecken gelegenen Wassermühle, (Albrecht-
Thaer-Straße 1 c) die um 1850 als kleine Walk-
mühle für die Tuchfabrikation gegründet worden
war und nach einer Modernisierung und Turbi-
neneinbau 1873 als Sägemühle aufblühte und
von 1890 an bis 1965 wieder als Kornmühle mit
Sägeanlage genutzt wurde. Heute ist sie mit
ihrem 3 1/2-geschossigen turmartigen Aufbau
weithin sichtbar, 1850 als Rohziegelbau in histo-
risierendem Stil u.a. mit Rundbogenfenstern
errichtet, wurde sie 1890 in Teilen aufgestockt.
Das ab 1850 errichtete Wehr mit Stauanlage
(Rückstau in der Böhme ) und zwei späteren
Turbinen und Generator der Fa. Bergmann,
Berlin, wird nicht mehr benutzt. Auf dem Grund-
stück steht das zweigeschossige Müllerwohn-
haus, das auf der Nordseite rechtwinklig an das
Mühlengebäude angesetzt ist und wie dieses
Anbauten aus der Zeit um 1960 hat.
Direkt an der Hannoverschen Straße, der
früheren Poststraße nach Braunschweig/Hanno-
ver und heutigen Ortsdurchfahrt, der L 190, ist
um 1890 eine Villenbebauung als erster Schritt
eine Stadterweiterung in dieser Richtung ent-
standen. Die überwiegend mit ihren hinter brei-
ten Vorgärten zurückliegenden, in massiver Bau-
weise errichteten 1 1/2-oder zweigeschossigen
Baukörper prägen den Straßenabschnitt gegen-
über den Klosterwiesen mit dem Klostersee,
zwischen Hannoverscher und Benzer Straße.
Weiter stadtauswärts folgen schlichtere, direkt in
der Straßenflucht gebaute eingeschossige Dop-
pelhäuser bis zum Bahnhof. Die freistehenden
Einzelgebäude Nrn. 4-16 sind traufständige Zie-
gelbauten. Als hervortretende Bauteile sind Er-
ker, Mittelrisalite, hölzerner Balkonaniagen sowie
Freisitz in aufwendiger Gestaltung, u.a. Putzqua-
derung (Nr. 4), plastische Eckverquaderungen
und sonstige Zierelemente in Putz (Nr. 10), aber
auch unterschiedlich ornamentierte Giebelge-
sprenge zu vermerken. Lediglich Nr. 16 ist ge-
gen Ende des 19.Jh. als Fachwerkbau erstan-
den. Dessen vertikale Verbretterung wurde
durch Ziehungen im Bereich der Aufstockung
sowie weiteren hölzernen Zierelemente, wie pro-
filierte Fensterverdachungen und ebenfalls or-
namentierte Giebelgesprenge, aufgelockert. Die
zeitgenössische Haustür ist erhalten.

Auf der Böhme zugewandten Straßenseite
gegenüber liegt der Jüdische Friedhof, Hanno-
versche Straße Nr. 31, eingeengt von jüngerer
Bebauung. Die kleine Parkanlage mit den lose
aufgereihten, meist hochrechteckigen Grabstei-
nen wird von einer rechteckigen Umfassungs-
mauer umgeben. Die hebräischen und deut-
schen Inschriften stammen aus der Zeit von
Mitte des 19.Jh. bis in die zwanziger Jahre des
20.Jh. Die Mauer ist, bis auf den straßenseiti-
gen, mit Ziersteinsetzungen und schmiedeeiser-
nem Eingangstor zwischen Sandsteinpfeilern
gekennzeichneten Abschnitt, neu aufgebaut
worden. 1988 hat die Stadt Walsrode auf der
Nordseite eine steinerne Gedenktafel ange-
bracht.
Der große städtische Friedhof an der Saarstra-
ße liegt etwas weiter westlich, am Rande der
inzwischen teilweise bebauten Fuldewiesen. Er
ist hier bereits 1815 angelegt worden, nachdem
bereits 100 Jahre zuvor Bestrebungen seitens
der Stadt, den ursprünglich an der Kirche gele-
genen Friedhof zugunsten von Markt- und
Schulhofflächen freizumachen, fehlgeschlagen

waren. Die kleine, ganz im Osten der Anlage
erbaute Kapelle ist erst 1862 hinzugefügt
worden, kurz vor der Umsiedlung des ehemali-
gen Garnisonsfriedhofs am Ende der Moorstra-
ße/Marktstraße. Der ost-west-gerichtete Ziegel-
bau, der vor kurzem durch einen Anbau
erweitert wurde, tritt hervor durch seinen histori-
sierenden, konsequent an die gotische Bau-
weise angelehnten Stil, mit Streben zur Joch-
unterteilung und Spitzbogenfenstern sowie
einem Dachreiter mit Glocke oberhalb der West-
wand. In dem ältesten, ursprünglich nur bis zur
nord-süd-gerichteten Wegeführung reichenden
Friedhofsfläche im Osten, zwischen alleege-
säumten Wegen und hohen Einzelbäumen, liegt
das Gräberfeld der Familie Wolff mit zahlreichen
Grabsteinen, Platten und einer von Findlingen
überdeckten, unterirdischen Gruft aus dem
19.Jh. sowie Gusseisen-Kreuzen von 1842 und
1864. In einem für das Kloster abgetrennten
Bereich weiter südlich sind Steine oder Findlinge
in die Rasenfläche eingelassen. Translozierte
Grabsteine, u.a. Sandsteinsockel mit Urnenauf-
sätzen von ca. 1813 wurden nahe des Ostein-
gangs aufgestellt. Weiter westlich, in dem be-

Walsrode, Hannoversche Str. 31, Jüdischer Friedhof, Mitte 19.Jh.


Walsrode, Saarstr., Friedhofsanlage, 1815


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