Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 487
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NEUE DENKMÄLER ANTIKER KUNST III
ANTIKEN IN DEN MUSEEN VON AMERIKA

(SITZUNGSBERICHTE DER PHILOS.-PHILOL. KLASSE DER

KGL. BAYER. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 1905

Mit 9 Tafeln [= Textabbildungen])

a die neuaufstrebenden Museen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas 241
in Europa noch wenig bekannt sind und doch schon eine größere Reihe
bemerkenswerter Antiken enthalten, so glaube ich, etwas Nützliches zu
tun, indem ich im folgenden einige Mitteilungen veröffentliche, die auf Notizen
beruhen, welche ich im Herbste 1904 bei Gelegenheit einer Reise zu dem großen
internationalen wissenschaftlichen Kongresse zu St. Louis nehmen konnte.

ST. LOUIS

Ich beginne mit der Stadt St. Louis selbst, die ein Museum of FineArts
besitzt. Die kurze Notiz über dieses Museum in Bädekers nützlichem Reisehand-
buche ließ mich nicht vermuten, daß dasselbe auch Antiken enthält. Um so mehr
war ich überrascht, dort einige ganz interessante Dinge zu finden; vor allem eine
hübsche kleine Vasensammlung, aus der ich hervorhebe:

1. Eine sehr gute und vollständig erhaltene späterkorinthische Kanne; die
Form fehlt bei Wilisch, Die altkorinthische Tonindustrie (1892); sie gleicht derjenigen
rhodischer Kannen (Jahrb. d. Inst. 1,1886, S. 138), hat jedoch nicht kleeblattförmigen, 242
sondern Schnabelkannenausguß. Der blaßgelbe korinthische Ton ist nur unten am
Fuße sichtbar, im übrigen ist die Oberfläche, wie gewöhnlich bei den später-
korinthischen Vasen (vgl. meinen Berliner Katalog Nr. 1652 ff.), mit rotem Überzug
bedeckt. Am Henkelansatz ein feiner weiblicher Kopf in hohem Relief. Die reiche
Bemalung verwendet viel Weiß; Palmetten und Lotos, zu den Seiten zwei Hähne
(mit Lotosknospen) und zwei Knappen zu Roß; in den Ecken Lotosknospen.

2. Späterkorinthische Büchse der Form Wilisch Taf. 1,13, Berliner Katalog
Form 106. Die drei plastischen Köpfe zeigen den hellgelben korinthischen Ton,
das übrige hat den roten Tonüberzug. Fries von hockenden Greifen mit Spitzohren
und Aufsatz (wie Roschers Lexikon 1,1760), Sirenen und Sphinxen.

3. Ältere schwarzfigurige Schale der Art wie Berlin 1754 f., Pottier, Vases
du Louvre II, Taf. 68, F. 65, d. h. mit über den abgesetzten Rand übergreifendem
Bild. Auf beiden Seiten wiederholt: in der Mitte Monomachie von zwei Helden
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