Die Gartenkunst — 8.1906

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DIE GARTENKUNST

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Plan wird abgeschlossen durch Hirths Meisterwerk, das sich
prächtig von dem kleinen dunklen Laubengang abliebt. Hinter
diesem treten wir wieder in die freie Landschaft, noch immer
von roten Kosen umblüht und wenden uns nach der Anhöhe,
wo ein rosenumwachsener Turm errichtet gedacht ist: Wir
besteigen ihn und unser Blick schweift von dem alten Worms
nach dem sagenumwobenen Rhein — dann noch einmal über
den weil'sen, den rosa, den roten Garten und bleibt ruhen
auf der

4. bunten Pracht
zu unseren Füfeen
— eintönig plät-
schert der Spring-

strahl---■ —

Spiel — Liebe —
Kampf — erquik-
kende Ruhe.
Die gestellte
Aufgabe ist keine
leichte, zumal da
die vorhandene An-
lage möglichst ge-
schont werden soll;
ist dies in bezug
auf die Pflanzung
nun in weitgehen-
dem MaCse gesche-
hen, so mulsten be-
züglich der Weg-
führung einige
durchgreifendere
Änderungen getrof-
fen werden, da die-
selbe einem stär-
keren Verkehr, den
vielleicht Feste an diesem Ort mit sich bringen, in ihrer
jetzigen Anordnung nicht genügte, indem die Wege viel-
fach besonders gerade in der Nähe des Eingangs in zweck-
losen und unmotivierten Biegungen verliefen und die Aufgabe,
den Besucher zwanglos zu den schönsten Punkten der An-
lage zu führen, nicht vollauf erfüllten, auch die vorhandenen
Rasenflächen teilweise zu sehr zerstückelten. Durch diese
Änderungen werden auch an einzelnen Stellen Neupflanzungen
notwendig, die da, wo infolge ungünstiger Lage Rosen-
pflanzungen nicht möglich sind, durch Ziersträucher und
Bäume herzustellen sind. Die Posenpflanzungen sind in ihrer
stärksten Ausdehnung da gedacht, wo die Sonne voll zugäng-
lich ist und ein gutes Gedeihen ermöglicht. Eine Verbesserung
des Bodens durch guten Lehm und geeignete Dungstoffe ist
jedenfalls angebracht. Es sind fast durchweg niedere Rosen
aller Art und Schlingrosen projektiert, keinesfalls soll hier ein
geordnetes Rosarium entstehen, aber doch ist es der geeignete
Ort, alten halb- oder ganz vergessenen Rosenkindern, die sich
durch Schönheit und Unempfindlichkeit auszeichnen, eine
Pflegestätte zu gewähren; am Schlufs dieser Erläuterungen
ist eine Reihe solcher Sorten aufgezählt, ebenso einige Sorten
genannt, die vermöge ihrer Blühwilligkeit und Farbenpracht
geeignet sind, vorwiegend gepflanzt zu werden.

Wie im Vorwort erwähnt, sollen die Rosen in drei Teilen
der Anlage nach Farben getrennt sein, doch mufs, um nicht
monoton zu wirken, insbesondere im weil'sen Garten ab und
zu eine andere Farbe, auftreten, auch müssen Ziergehölze und
Stauden Verwendung finden, die zur Zeit, wenn die Rosen

nicht blühen oder auch mit diesen zusammen den betreffenden
Teilen der Anlage ihren Charakter verleihen. Genannt seien
für den weifsen Garten: Anemone nemorosa, Maiblumen,
Orocus, Schneeglöckchen, Schneeball, Jasmin, weifse Lilien,
usw.; für den rosa Garten: Hepatica, Prunus triloba,
Magnolien, Spiraeen, Robinia hispida, Päonien, Primeln
usw.: für den roten Garten; rote Tulpen, rotblättrige und rot-
holzige Sträucher (Prunus Pissardi, Bluthasel, Oörhus san-

guinea) Chrysan-
themum rosenm,
Lychnis, Dianthus,
Papaver, Päonien
usw.

Die Laubengän-
ge, Bogen und Lau-
ben sind in ein

facher Holzkon-
struktion (kein so-
genanntes Natur-
holz !!) gedacht und
im weifsen Garten
naturfarben zu be-
lassen, im rosa und
roten Garten weil's
zu streichen.

In der Nähe
des Parkhauses,
weil tiefer liegend,
durch eine Mauer

von dem Platz
desselben getrennt,
ist ein Raum für
hochstämmige Ro-
sen, woselbst alle
unsere schönen neu-
eren Teerosen usw., die stärkeren Schutzes im Winter bedürfen,
untergebracht sind, auch an den Wogrändern in der Nähe
dieses Hauses sind solche Rosen vorgesehen.

Die Kletterrosen sollten nicht nur an Lauben, Gängen,
Bogen und Bäumen, sondern auch an 3 oder 4 zusammen-
gebundenen Stangen frei auf den Rasen zu stehen kommen,
ferner sollen sich dazu eignende Sorten wie R. Wichuraiana
vor den Gruppen, auf den Rasen kriechend, angepflanzt werden.

Der auf der Anhöhe projektierte Turm kann auch durch
einen Pavillon ersetzt werden. Der Springbrunnen ist so ge-
dacht, dal's er sein Wasser glockenförmig abgibt, da ein hoher
Strahl hinter dem Denkmal störend wirken könnte.

Es sei noch einmal betont, dafs der groCse Rosengang so
gedacht ist, dal's er nicht wie es auf dem Grundplan den
Anschein hat, vom Ulmenplatz aus die hinter ihm liegende
Anlage abschliefst, sondern im Gegenteil deren
Wirkung erhöht.

..Herz".

Verfasser: Architekt Bruno Taut-Stuttgart.

Bei dem vorliegenden Projekt ist jede Romantik vermieden
worden. Die Schönheit eines Rosengartens in der Nibelungen-
stadt ist Denkmal genug für das unsterbliche Lied.

Ein grofses Motiv soll den Garten beherrschen, das sich
dem Gedächtnis dos Besuchers einprägt: die Art und Weise,
wie der Festplatz und der Uhnenplatz gärtnerisch gelöst sind-

Ich sehe den Ulmenplatz als den Mittelpunkt des Volks-
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