Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

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45. Calamns scriptorius.

absondern. Bursa, als Eigenname, kommt im Cicero vor:
Munatius Planem Bursa '). Als Beutel war Bursa den Römern
nicht bekannt. Das frühe Mittelalter gab dem Worte diesen
Sinn, nach dem verwandten griechischen ßupca, Fell, auch
Schlauch. Ueber diese mittelalterliche Bursa handelt aus-
führlich und gelehrt das Glossarium von Dufresne (Du
Cange), T. I, pag. 1368 und 1369. Die Latino-Barbari eigneten
sich die Bursa, als Beutel, an, und verwertheten sie zuerst
als Bursa cordis = Pericardium. Auch im 16. Jahrhundert
finden wir die Gallenblase, als Bursa cholerae citrinae, im
Bauhin2). Albinus bediente sich später der Bursae mucosae
(richtiger synoviales oder muciparae~), zur Bezeichnung der
Schleimbeutel der Sehnen3), welche vor ihm nur als Thecae,
Capsae, Capsidae,Vaginae mucilaginosae cursirten. Der Albinische
Name ist seither allgemein geworden, und prangt auf den Titeln
der Specialwerke über Schleimbeutel, von A. Monro, Rosen-
müller, und Schreger.

Als Bursa virilis wird der Hodensack in den alten
Uebersetzungen des Aristoteles (für cct/öoc) angetroffen.
Mehr davon im Artikel: Scortum oder Scrotum.

45. Calamus scriptorius,

Das Alter des Calamus scriptorius Herophili, übersteigt
bereits zweitausend Jahre. Nicht mit einer Schreibfeder, son-
dern nur mit dem Ausschnitt derselben (ava^Xuo?^, tojj^), ver-
gleicht er den vom Wurm des kleinen Gehirns nicht bedeckten,
hinteren Winkel des Bodens der vierten Gehirnkammer (Fossa
rhomboidea). Im Sinne des Herophilus, sollte die Anatomie
nur von einer Excisura calami scriptorii, nicht von einem

') Ad Famil., VII, 2.

2) Theatrum anat., Lib. I, Cup. 45, nota C.

3) Historia musculorum hominis, pag. 695.
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