Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

Page: 457
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313. Rostrum cochleare. — 314. Sacrum und Kreutzbein.

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liehen Muskels ausdrückt. Lachmuskel hätte mit Risor gegeben
werden sollen, denn das der hasse latinite angehörige, und nicht
mehr als einmal, in der Mythologia des Fulgentius Placiades
(6. Jahrhundert) anzutreffende Risorius, ist = ridicidus, wie
aus honores risorii et citrus fugitivi des genannten Schriftstellers
zu ersehen (Lib. II, Cap. 17). Die reiehsten lateinischen Lexica,
und der Thesaurus linguae et eruditionis Romanae, von Matth.
Gesncr, kümmern sich um Risorius gar nicht, und verweilen
nur bei Ridicidus und Ridibundus.

Der Zusatz novus ist überflüssig, da es keinen Risorius
antiquus giebt.

313, Rostrum cochleare.

Das Ende des Canalis oder Semicanalis tensoris tympani,
aus welchem die Sehne des Tensor tympani hervortritt, um
sich nach auswärts zum Hammer hin zu krümmen, an welchem
sie sich einpflanzt, heisst allgemein Rostrum cochleareDie
Sache sieht wirklich einem Löffel gleich, oder vielmehr, wie
Winslow sagt, dem Schnabel einer Löffelgans, dessen Ränder
man sich aber aufgebogen denken muss. Der Uebersetzer des
Winslow, wollte vermuthlich durch cochleare, als Adjectiv zu
Rostrum, die Aehnlichkeit mit einem Löffel ausdrücken. Aber
cochleare ist leider ein Substantiv. Es giebt kein Adjectiv
cochlearis, — der Löffel selbst heisst cochleare, als Nebenform
von cochlear. Man hat also Rostrum cochleariforme, nicht cochleare
zu sagen.

314, Sacrum und Kreutzbein,

Ueber das Os sacrum, und seinen, auf ein Missverstehen
des Galen'sehen iepbv ocuouv beruhenden Namen, habe ich in
meiner descriptiven Anatomie (§. 124), Alles erschöpft , was

) Winslow, Expos, anat., Tractatus de ossibus, §. 400.
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