Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

Page: 195
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126. Embryo. 195

Avicenna nahm den Terminus des Haly nicht an,
sondern bediente sich für die Hirnhäute, des Wortes ghischäjain,
was Gerhardus Cremonensis mit Panniculus übersetzt. Er
unterscheidet zwei Panniculi: den safiq (spissus), und den
raqiq (tenuis).

Die Griechen kannten nur zwei Hirnhäute: pjvrf£ ay.X^pa
s. r\.ayßa.j und pjvr/£ Xewr^. Man übersetzte das Galenische
cyX'Qpy. s. •Kayeia,, ganz gut mit dura s. crassa, und Xeirc^ mit
subtilis oder tenuis. Statt tenuis wurde aber von den Ueber-
setzern des Haly Abbas, welche Mönche waren, pius sub-
stituirt, da das arabische raqiq, nebst tenuis, auch misericors
und pius bedeutet, welches letztere den frommen Männern
besser zusagte, als tenuis. So kam die Pia mater zu ihrem
frommen Namen, welcher ihr so lange anhängen wird, bis man
sich gewöhnt haben wird, die drei Hirnhäute, histologisch:
Meninx fibrosa, serosa, und vasculosa zu nennen. Letztere Be-
nennung, für pia mater, kann sich selbst einer sehr alten
Abstammung rühmen, denn im Oribasius finde ich, statt
AeTCT^, auch xppoetSvfe, weil er sie mit dem sehr gefässreichen
Chorion der schwangeren Gebärmutter vergleicht. Das Chorion,
wird mit Amnion und Placenta, als Secundinae zusammengefasst
(das griechische tcc osüxepa). Wir finden deshalb die Pia mater,
im Mittelalter öfters als Secundina cerebri. Da sie die zweite
damals bekannte Hirnhaut war, wäre sicher, wenn man diesen
numerischen Rang hätte ausdrücken wollen Secunda cerebri,
nicht Secundina gesagt worden.

Mehr Sprachliches über die Meninges, enthält HL, §. LV1,
Dura und pia mater.

126, Embryo.

Embryo sollte Embryon geschrieben werden: xb bnoq vqq
Yaaxpbi; ßpuov (Eustathius), von ßp6to, wachsen, was im Leibe

) Wie Achillinus und Laurentius meinen.

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