Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

Page: 260
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260 183. Ideus, eides, und odes, als Endsilben anatomischer Beiwörter.

183, Ideus, eides, und odes, als Endsilben anatomischer

Beiwörter,

Was hier gesagt wird, gilt von einer langen Reihe viel-
gebrauchter Adjective. Diese sind: adenoideus, allantoideus,
ancyroideuS; arachnoideus, arytaenoideus, axoideus (alter Name
für Epistropheus), bathmoideus (sinusartig, von dem Hippo-
cratischen Worte ßaOjjic;, Gelenksgrube), belonoideus (nadei-
förmig), ceratoideus, clialcoideus (Beiname der drei Keilbeine
des Fusses), clioroideus, cirsoideus, clinoideus, colloideus (leim-
ähnlich), condyloideus; conoideits, coracoideus, coronoideus, cotyloi-
deus (napfförmig), cricoideus, cid)oideus, deltoideus, dermatoideus,
elythroideus (scheidenförmig), erythroideus, ethmoidms, glenoideus,
grapliioideus (styliformis), hyaloideus, hyoideus, lambdoideus, lemni-
scoideus (schlingenförmig), lepidoideus, litlioideus, mastoideus, meni-
scoideus, myoideus, odontoideus, ostoidens, pimeloideus (fettartig),
psalidoideus (gewölbt), pterygoidms, pyrenoideus (kernförmig),
rhagoideus, rhomboideus, scaphoideus, scolecoideus (vermiformis),
sesamoidms, sigmoideus7 spliaeroideus, splienoideus, styloidms, trape-
zoideus, und xiphoideus.

Alle diese Worte sind latinisirte Griechen '). Als lateinische
Epitheta, kamen sie erst im Anfange des 17. Jahrhunderts in
der Anatomie in Aufnahme, meistens durch J. Riol an. Viele
dieser Sorte stehen jetzt noch in Gebrauch. Es fragt sich
erstens, ob sie gut sind, und zweitens, wie sie ausgesprochen
werden müssen. Die betreffenden griechischen Adjective, enden
mit z'.ortc. Es steht den Lateinern zu, den Diphthong si in i

) Die entsprechenden griechischen Worte in si§vfe; habe ich ans
griechischen Autoren zusammengetragen. Sie sind also alle
echt, bis auf meniscoideus, welches der neueren Zeit angehört,
und ein Pleonasmus ist, da schon das Stammwort meniscos, im
Aristoteles, in der Bedeutung von „halbmondförmig" ge-
braucht wird. Ebenso colloideus (das Colloid von Laennec).
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