Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.14858#0283
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
183. Idevts, eides, und odes, als Endsilben anatomischer Beiwörter. 261

zu contrahiren, und die Endsilbe yjc in eus zu verwandeln, so
dass, um nur Ein Beispiel für alle zu geben, aSevoeiSufe durch
adenoidem ausgedrückt werden kann. In diesem adenoideus ist
das i lang, weil es für et steht, und das e kurz, wie in allen
Adjectiven in eus [aureus, argenteus, ferrcus, plumbeus, etc.).
Man darf also nicht anders als adenoideus sagen, wie denn
auch in den, dem Griechischen nachgebildeten deutschen
Worten: adenoid, alcaloid, sarcoid, myxoid, u. s. w.,
der lange Accent auf das i fallen gelassen wird. Es ist aber
leider zur allgemeinen Unsitte der Anatomen geworden, die
Betonung gerade umzukehren. Sie sägen: adenoideus, deltoV
deus, hyoideus, etc. Auf gleiche Weise werden auch alle ob-
genannten Worte in der Aussprache misshandelt. Dass es
nicht mehr geschehe, müssen alle Sprachkundigen wünschen.
Aber der Missbrauch hat sich so tief eingenistet, dass er, trotz
aller grammatikalischen Rügen, sich nicht ausmerzen lassen wird.

Ein langes e in eus, kann nur dann mit Widerstreben
zugelassen werden, wenn dieses eus, per licentiam, statt aeus
(dem griechischen y.ioq) steht. Man kann peroneus, gluteus,
'Peritoneum, etc. sagen und schreiben, jedoch mit der Reserva-
tion, dass man eigentlich peronaeus, glutaeus, peritonaeum, etc.
zu sagen und zu schreiben hätte. Deltoideus, Hyoideus, Con-
dyloideus, Cricoideus, und Thyreoideus, niuss gänzlich untersagt
werden, weil es ein Deltoidaeus, Hyoidaetis, Condyloidaeus, etc.
nie gegeben hat.

Für die eingangs aufgereihten Adjective, wäre es gleich
besser, wenn wir von dem Rechte Gebrauch machten, griechische
Worte unverändert in die lateinische Sprache aufzunehmen.
Man sehe sich das interessante Büchlein an, welches Alex. Saal-
feld ') über diese Nostrificirung griechischer Worte heraus-
gegeben hat, und man wird sich überrascht finden durch die
grosse Menge von Beiwörtern, welche der Sprachgebrauch mit

) Index graecorum vocabulorum, in linguam latinam translatorum,
Berol., 1874.
 
Annotationen