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Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

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https://doi.org/10.11588/diglit.14858#0281
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18*2. Hypophysis.

259

so kann dieses Beiwort nur hypoglotticus sein. V'/m-xv/.6c kommt im
Aristoteles als „zur Zunge gehörend" vor, und focoYAClxjcricc
ist bei demselben Autor , ein Zuname der Ranula (ßarpa^o?).

Das Gesagte gilt auch für die Riolan'sehen Muskel-
namen: Stf/loglossus, Genioglossus und Hyoglossus. Sie sollen,
statt in us, in icus endigen.

182, Hypophysis.

Hypophysis, als Gehirnanhang, gehört gänzlich der Neuzeit
an. Den Gehirnanhang erwähnt Galen entweder schlecht-
weg als aBiqv (glandula), oder mit dem Zusatz: %eKk<xv*ay>ivr[
atpatpa r.y.zy-'/.r^iz:, amplae sphaerae similis, auch als Glandula,
quae infundibulum cerebri (Hirntrichter) excipit1). In den weiteren
Auseinandersetzungen jenes Capitels, erscheint daher ar/,7, als
ein Glied der langen Reihe von Auswurfsorganen, welche die
Purgamenta s. Excrementa cerebri, als Nasenschleim, ab- und
auszuführen haben. Daher übersetzt Vesal den äovyv Galeni,
mit glans, in quam pituita destülat, oder mit Glandula pituitaria.
Obwohl die Betheiligung des Gehirnanhanges an der Excretion
des Nasenschleimes, durch V. C. Schneider, im 17. Jahr-
hundert, mit aller Gründlichkeit und für ewige Zeiten wider-
legt wurde, verblieb doch der Name Glandula pituitaria cerebri
bis auf Sömmerring2), welcher die Benennung Hypophysis
in unsere Terminologie einführte. Sie erscheint von nun an
ausschliesslich, oder als Appendix cerebri übersetzt, in den
anatomischen Schriften. Hypophysis, (üxo, nach unten zu, und
<p6o), wachsen), wird nur von den späteren griechischen Aerzten,
als krankhafter Auswuchs, Excrescentia, selten für Cataracta,
gebraucht. — Die französischen Anatomen halten sich lieber
an glande pituitaire, als an Hypophyse.

) De usu partium, Lib. IX, Cap. ö'.
:) Hirn- und Nervenlehre, §. 62.

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