Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

DOI Seite / Zitierlink: 
https://doi.org/10.11588/diglit.14858#0248
Überblick
loading ...
Faksimile
0.5
1 cm
facsimile
Vollansicht
OCR-Volltext
226

153. Furcula sterni.

wird ^griechisch fy/ta). Hahenula steht auch im Celsus, für
ein Stückchen Fleisch, welches aus einer Wunde ausgeschnitten
wird '). Im anatomischen Latein, wird Hahenula gänzlich igno-
rirt. Ein einziges Mal habe ich eine Hahenula Halleri, im
Samenstrang, als liest des embryonischen Processus vaginalis
peritonei, notirt, und in meiner Anatomie angewendet.

153, Furcula sterni.

Beide Schlüsselbeine zusammen, werden in der Kindheit
der Anatomie, häufig Furcula genannt. Ein Schlüsselbein allein,
hiess immer Clavicula. Die Furcula, als die gepaarten Schlüssel-
beine, wurde der Anatomie der Vögel entnommen, deren beide
Schlüsselbeine an ihren unteren Enden miteinander verwachsen
sind, und den aller Welt bekannten Gabelknochen, Furcula,
bilden. Unglaublich, aber wahr ist es, dass es in jener Zeit
Chirurgen gab, welche auch die beiden menschlichen Claviculae,
zu einer einzigen Furcula verwachsen sein Hessen: os furculae
habet duo hrachia, unum tendit ad humerum, et aliud ad alium 2).
Man kann diese Worte nicht anders deuten, als dass es ein
einziges, aber zweiarmiges Schlüsselbein giebt. —- Bei den
Römern war Furcula entweder der Galgen (Furculae Caudinae),
oder ein Strebepfeiler, um Mauerwerk zu stützen (Livius).
Die lateinische furca, erzeugte die italienische forca, und diese
gab den Mundinisten ihre Forcatura, d. i. die Gegend am Ende
des Unterleibes, wo die Schenkel sich anheften, wie zwei Gabel-
arme. Die Spanier sagen dafür Horcajadura. Obwohl nun die
Furcula, in dem besprochenen Sinne, als beide Schlüsselbeine
zusammen, gänzlich aus der Anatomie verschwand, hat sie
doch einen Schatten nach sich gelassen: die Furcula sterni,
welche in allen Handbüchern zu Hause ist. Die Incisura semi-

1) De medicina, Lib. VII, Ca/p. 7, mim. 8.

2) G u i d o n i a Cau 1 i a c i Ghirurgia magna, pag. 34.
 
Annotationen