Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

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250. Olecranon.

gebrauchen. Nur im Pollux, und einmal auch im Gralen,
linde ich capwXivtov statt wAsxpavov. Acrolenion (a/,pot;? das Höchste
und wAsvy;, Ellbogen), ist ebenso Summum cubiti, wie Acromion

— summus humerus. Der an der Streckseite des Ellbogengelenks
vorspringende Hocker, auf welchen wir den gebogenen Arm
stützen, bildet die erhabenste und härteste Stelle des ganzen
Ellbogens (wasvy], cubitus), und wurde deshalb von den Lateinern
als Caput oder Vertex cubiti bezeichnet (Celsus). Am trockenen
Knochen erscheint dieser Vertex cubiti als ein starker, hacken-
förmig gekrümmter Fortsatz, welcher die Rolle des Oberarm-
beins umgreift. Dieser Krümmung wegen, wurde er von Gralen
und Rufus crf/uov genannt, welches in allen seinen Anwen-
dungen, nur einen Einbug, auch den Armbug, ausdrückt1).

Die anatomischen Handbücher führen, statt Olecranon,
häufig Tuberositas ulnae und Processus anconaeus an (letzteres
barbarisch, — sieh' Artikel: Anconaeus). Die Gibbositas und
der Gibber ulnae der alten Anatomen (gibberum im Zerbis!),
lässt sich im deutschen Ellbogenhöcker noch erkennen,
während unser Hackenfortsatz der Ulna7 dem griechischen
avy.o)v entspricht.

Realdus nannte die zwei Ecken, welche die Incisura
semilunaris major ulnae begrenzen, Coronae, nach dem Beispiele
Galen's, welcher spitze Fortsätze der Knochen, überhaupt
als xop&vat2) bezeichnet. Demzufolge unterscheiden die Patres
anatomiae an der Incisura semilunaris ulnae, eine Corona in-
ferior und superior. Die Corona swperior ist das Olecranon;

— die Corona inferior besteht noch als Processus coronoideus
ulnae 3).

Die morphologische Uebereinstimmung des Olecranon mit
der Patella, Hess für ersteres den Tropus Patella fixa, und für

Kur im Aristoteles zeigt sich crpuöv, mit dem Begriff des
Oberarms (Eist, anim., Lib. I, Cap. 15).

2) Oribasius, Anatomica ex Galeno, pag. 130.

3) Vergleiche den Artikel: Coronoidms.
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