Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

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254. Ovarium.

das Os tincae zum Os tinchae. — Von den ältesten Benennungen
des äusseren Muttermundes: corona und rosa, erübrigt noch
in unserer Zeit die Krönung, als jener Moment des Gebärens,
in welchem der Kindskopf, mit seiner grössten Peripherie; im
Muttermunde steht — das couronnement der Franzosen. Die
Rosa aber gab dem Monatsfluss seinen Volksnamen: Rose und
Blume. — Bei unseren Hebammen heisst der Muttermund das
M utterschloss, weil er in der Schwangerschaft fest geschlossen
ist, und erst bei herannahender Geburt sich aufthut. Hunds-
schnautze und Schweinsrüssel sprechen für den ästhetischen
Sinn dieser Damen. Sie drücken eine besonders lange, und
eine schief abgestutzte Pars vaginalis uteri aus.

254, Ovarium,

Ovarium ist kein altrömisches Wort, sondern ein Terminus
anatomicus recens. Der Erste, welcher sich seiner bediente, war
der Däne Nicolaus Steno (Stenson'). Die Bläschen im Eier-
stock waren schon lange vor Steno, den Anatomen unter
dem Namen Vesicae, Vesiculae, oder Sinus, bekannt. Vesalius,
Fallopia, Volcherus Coiter, Rodericus de Castro, und
Laurentius, sprechen von diesen Vesiculae und Vesicae. Ihnen
zu Liebe wurde auch der Eierstock Vesicarium2) genannt.
Als Ova fasste sie Steno zuerst auf. Er gab sofort den bisher

Specimen myologiae, Florent., 1667, pag. 117.
2) Schreger, Synonymik, pag. 267. Geronimo Sbaragli,
Professor in Bologna, (nicht Sparagli, wie er im Schreger
genannt wird) gebrauchte diesen Ausdruck in seiner Schrift:
de vivipara generatione seepsis. Viennae, 1696, pag. 304. Diese
Scepsis ist in einem sehr rauhen und unangenehmen Styl
geschrieben, dem man das unnatürliche Vesicarium, zu Gute
halten muss. Ebenso selten, und nur dem Fabricius bekannt,
ist Vitellarium (De formatione ovi, pag. 8).
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