Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 19
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AMT MOSBACH. — GUTTENBACH. MINNEBURG. rg

Jenseits des grossen Rondells (g) wendet sich die Zingel nach Osten, ist aber
im weiteren Verlauf nur mehr stückweis zu verfolgen. Wahrscheinlich, dass in der
Nähe des Mauerstücks (l) abermals ein jetzt gänzlich verschwundenes Eck-Rondell
angelegt war, von dem aus dann die Mauer nach Süden umbog, bis sie ungefähr
in der Nähe des Hauptthores den südlichen Mauerzug wieder erreichte. Ein zweiter
Mauerzug scheint dann von dem verschwundenen Eck-Rondell bei (l) aus nach Osten
weiterlaufend, wie auf dem Plan (s. Fig. 6) ersichtlich, den Befestigungs-Ring der Vorburg
zum Schluss gebracht zu haben. Hier können nur Aufgrabungen Gewissheit verschaffen.

Der jetzt die Vorburg durchziehende, nicht unerheblich ansteigende Fussweg, an
dessen rechter Seite gleich hinter dem Hauptthore die Umfassungsmauern eines grossen
unterkellerten Dienstgebäudes (c) und etwas weiterhin die einer zweiten Behausung
(Stallung?) sichtbar werden, scheint der Richtung des ehemaligen Hauptweges zu folgen
und weist an der Stelle, wo er die ehemalige innere Zingel (s. oben) durchschneidet noch
die alte Pflasterung (auf dem Plan angedeutet) auf. Von der Thor-Anlage an
dieser Stelle ist keine Spur mehr sichtbar. Im Bogen nach Süden umwendend, führte
der Weg weiter bergan an den Resten einer langgestreckten Baulichkeit entlang
(Stocker nimmt hier fälschlich eine Terrasse an) entweder zu dem Eingange (m) und
in die Hauptburg hinein, oder daran vorbei in den Zwinger, der in verschiedener Breite
rings die Oberburg umzieht. Bei (o) scheint ein Thor vorhanden gewesen zu sein, das
den Zwinger vom allgemeinen Zugangswege abschloss.

Die Hauptburg, in der Gestalt eines unregelmässigen Fünfecks, ist zweifellos wesent-
lich älteren Ursprunges, als die vorbeschriebene Umwehrung des Meisters Hans von Weit-
heim, ohne dass sich mit einiger Bestimmtheit die Entstehungszeit der Anlage angeben lässt.
Berchfrit und Schildmauer, die das ältere Mauerwerk am deutlichsten erkennen und
unschwer von dem Quaderwerk des XVI. Jhs. unterscheiden lassen — die Steine sind
wesentlich kleiner und ohne Zangenlöcher versetzt — mögen noch ins XIII. Jh. zurückgehen,
vielleicht auch die ganze Umfassungsmauer, an die sich zum Theil Wohnbauten anlehnen.

Berchfrit und Schildmauer stammen zweifellos aus derselben Zeit, trotzdem sie Berchfrit

, . -i-^. i i . unc* Schildmauer

nicht in Verband mit einander stehen. Die Höhe der Letzteren bei nur etwas über 2 m
Stärke beträgt vom Sockel bis zur Unterkante des ehemaligen Wehrganges fast 17 m.
Die Oberkante läuft bis zur Südost-Ecke horizontal durch und erscheint hier, wo sie auf
einer Breite von ca. 10 m den unteren Theil der Giebelfront des Palas bildet, von dem
später darauf gesetzten Giebelmauerwerk des XVI. Jhs. deutlich sichtbar festgehalten.
Der Wehrgang lag ungefähr in Höhe des ersten Absatzes des Berchfrits, scheint aber von
diesem aus keinen Zugang gehabt zu haben, vielmehr, wenigstens nach dem Umbau, nur
vom zweiten Oberstock des Palas aus mittelst einer Thür und eines hölzernen Verbindungs-
ganges, dessen Konsolen noch in der Mauer stecken. Im Ganzen ist die Schildmauer
tadellos erhalten bis auf den obersten Abschluss.

Der in seinen obersten Theilen ganz zerstörte Berchfrit springt nach dem Zwinger
zu wenig, nach dem Hofe zu stark über die Flucht der Schildmauer hinaus. Er bildet
ein Quadrat von 7 m Seite und ist ebenso wie die Schildmauer in ziemlich rohem
Bruchsteinmauerwerk aufgeführt. Nur wenige grössere Steine zeigen Zangenlöcher, die
Kanten sind durch Rustika-Quader — nicht durchweg — gesäumt. Ohne Vermittlung
eines Gesimses springt der obere Theil (s. Längsschnitt Fig. 9), wie 'erwähnt in der
Höhe der Oberkante der Schildmauer um einen halben Meter zurück; dicht darüber
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