Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 50
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KREIS MOSBACH.

Pfarrkirche

Antheil an Kurpfalz abgetreten, das bis 1803 die volle Obrigkeit auch in diesen 3 Orten
des Schefflenzthales besass. Sie gehörten zur Kellerei Lohrbach des Oberamtes Mosbach.
Von 1803 bis 1806 leiningisch. (Br., Wi. u. Kr.)

Kirchliches. Bereits z. J. 827 wird einer basilica in Scaflenzia gedacht (Wi.),
es ist aber ungewiss, in welchem Orte sie gestanden hat. Im Jahre 1303 werden die
3 Orte durch den Würzburger Bischof Mangold von der Mutterkirche gelöst und eine
Pfarrei in Mittelschefflenz eingerichtet mit Filialen in den beiden Schwesterorten.

Die evang. Pfarrkirche ist durch neuere Restaurationen ihres alterthümlichen
Charakters völlig beraubt worden. Die Erbauungszeit kündet folgende Inschrift an der
Ecke der Giebelfront:

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Aus dieser Zeit stammen anscheinend einzig nur noch das einfache spitzbogige
Frontportal und Seitenportal, sowie die beiden Chorfenster mit ihrem hübschen spät-
gothischen Masswerk. Selbst der 3 m weite Triumphbogen, im oberen Theil reich
profilirt, ist erneuert, nachdem auch die Fenster des Langhauses längst barockisirt worden
waren. Ein grosser Emporen-Einbau verunstaltet das Innere. Der Thurm, dessen altes
Untergeschoss als Chor dient, ist oberhalb desselben neu aufgeführt und 1902 mit einem
neuen Helme versehen worden.

Geschichtliches

Kirche

MÖRTELSTEIN

Schreibweisen: Morterstal ca. 1150; Mortistal 1285; Mortelstal 1369 und 1440;
Merttelstein 1469; Merdelstat 1504.

Geschichtliches: Das Dorf gehörte jederzeit, so auch 1369 (Urkunde), zur Burg
Obrigheim. Vorübergehend besassen es die Landschaden von Steinach
pfandweis. Gehörte bis 1803 zum kurpfälzischen Oberamt Mosbach (Kellerei Neckarelz),
von 1803 bis 1806 zum Fürstenthum Leiningen. (Br.)

Eine capella S. Georgii wird z. J. 1496 erwähnt, die jetzige kleine Kirche, hoch
über dem Dorfe mit schöner Aussicht gelegen, ist ein kleiner schmuckloser Neubau
v. J. 1819. Der vom älteren Bau erhaltene Thurm, dessen Untergeschoss ehemals als
Chor diente, jetzt Läutestube, enthält an den Wänden — der ehemalige Triumphbogen
Wandmalereien ist zugemauert — bemerkenswerthe Reste spätgothischer Wandmalereien im Stile der
Mosbacher Kapellenbilder (s. unten S. 64 f.). Am besten erhalten der Wandschmuck der
Nordwand, wo die Passion Christi in zwei Reihen von je 5 Bildern übereinander dar-
gestellt ist. Darunter ein Sockel. Auf der Ostwand, an der die Holztreppe zur Glocken-
stube hinaufgeht, sind nur Spuren mehr vorhanden, dagegen ist in der Fensternische der
Südwand ein Bild der S. Katharina noch gut erkennbar. Der Putz ist durchweg sehr
roh aufgetragen, die Fläche der Bilder daher sehr uneben. Die im Ganzen recht matten
Farben auffallend gut erhalten. Es ist derselbe flüchtige, farbige Zeichnenstil des XV. Jhs.,
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