Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

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KREIS MOSBACH.

Scheuer

Schlossbauten

XIII. Jhs. auf die damals den Johannitern gehörige Feste gemacht hat (s. oben). Der
Thurm endet jetzt abgebrochen, oberhalb eines Rundbogenfrieses, in etwa 20 m
Höhe, wird aber früher nur wenig höher gewesen sein. Das Innere war mittelst
einer ungefähr auf halber Höhe gelegenen, von der anschliessenden Zingel aus
erreichbaren, rundbogigen Eingangsthür zugänglich. Nur das Gewölbe des untersten

Geschosses mit Angstloch noch
erhalten, die übrigen beiden
Stockwerke ausgebrannt. Der
Thurm trug einst »die herr-
schaftliche Schlossuhr und
Glocke«. Beiderseitig ist der
Anschluss der ehemaligen Zingel
am Thurm noch erkennbar.
Zwei Meter unterhalb der Ein-
gangsthür sitzen fünf Konsolen
in der Thurmmauer, die einst
den Laufgang trugen, der von
der Zingel aus innen um den
Thurm herumführte.

Von den Oekonomie-
Baulichkeiten, die jetzt linker
Hand vom Eingang nach Osten
den Vorhof begrenzen, ist nur
die mittlere grosse Schetier
aus kurpfälzischer Zeit noch
übrig; alles andere modern.
Wir betreten das eigent-
liche Sch/oss von der Mitte
des Vorhofes aus über eine
steinerne Brücke, die den
zweiten, inneren Schlossgraben
überspannt. Der dem abge-
rissenen Thor zunächstliegende
Theil der Brücke war in
üblicher Weise — wie noch
zu erkennen — einst als Zugbrücke konstruirt. Nach Osten begrenzte hier den
innern Schlosshof eine hohe Mauer, die sich rechts gegen den sogen. Thor-
bau, links gegen den Fürstenbau todt lief. An letzterer Stelle ist jetzt ein
Schuppen errichtet. Der Schlosshof hat in Folge des verwahrlosten Zustandes der
ihn hufeisenförmig auf drei Seiten einschliessenden Baulichkeiten viel von seinem
früheren Eindruck verloren, bietet aber immer noch ein eigenartiges, malerisches Bild
(s. Tafel V).

Eine eigentliche Zerstörung hat das Schloss nicht erlitten; selbst im dreissigjährigen
Kriege nach dem Nördlinger Treffen ist es dank den Bemühungen des damaligen Keller
Schragmüller glimpflich davongekommen. Seit 1650 hat es den pfälzischen Kellern als

Vig. 26. Tlwrthurm von Schloss Lohrbach.
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