Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

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52 KREIS MOSBACH.

und Gebiet des Grafen Kuno gelegene Abtei Mosebach mit allem Zubehör dem
Hochstift zu Worms. Die weitere Entwicklung des Ortes zur Stadt liegt aber ebenso im
Dunkeln, wie der Termin, an welchem das Stadtrecht erlangt wurde. Widder lässt
dies unter Kaiser R u d o 1 f L, also gegen Ende des XIII. Jhs. geschehen und beruft sich
darauf, dass Kaiser Adolf i. J. 1297 die Stadt sammt allen Zugehörungen an Gerlach
von Breuberg verpfändet habe. Urkundlich wird Mosbach als Stadt zum ersten Male
i. J. 1329 genannt. Im folgenden Jahr erfolgte im Anschluss an den Vertrag von Pavia
eine abermalige Verpfändung der Reichsstadt seitens des Kaisers Ludwig an die Pfalz-
grafen Rudolf und Ruprecht, wobei aber die bisherigen städtischen Gewohnheiten,
Freiheiten und Rechte ausdrücklich bestätigt bleiben. Seit dieser Zeit blieb Mosbach in
pfälzischem Besitz und ist nie wieder eingelöst worden, d. h. an das Reich zurückgefallen.
Wenige Jahre später geriet die Stadt sogar in Afterpfandschaft zuerst an Ritter Burkhard
Sturmfeder, dann an Ritter Engelhart von Hirschhorn, wovon sie erst 1362 durch
Pfalzgraf Ruprecht wieder eingelöst ward. Dass der drei- und viermalige Herrenwechsel
nicht förderlich auf die Entwicklung der kleinen Odenwald-Stadt eingewirkt hat, liegt auf
der Hand, und auch die Einverleibung der benachbarten »dorfer Haspach und Buters-
hein« i. J. 1363 wird keinen wesentlichen Aufschwung im Gefolge gehabt haben. Um
die Mitte des XV. Jhs. scheint Mosbach aufgehört zu haben, für eine Reichsstadt zu
gelten und ganz in pfälzischen Besitz übergegangen zu sein. Nach seiner Verheirathung
i. J. 1429 wählte nämlich Pfalzgraf Otto, der Jüngste unter den Söhnen König
Ruprechts, dem mit andern Städten auch Mosbach als Erbe zugefallen war, dieses zu
seinem Herrensitz und bezog die dort vorhandene i. J. 141 o zum ersten Male urkundlich
erwähnte alte Burg, »welche durch verschiedene Neubauten ansehnlich erweitert wurde«.
Der Aufschwung der Stadt datirt von dieser Zeit. Nicht nur, dass die Hofhaltung Ver-
kehr und Leben steigerte, der Pfalzgraf wusste auch in anderer Weise die Wohlfahrt
seiner Residenz zu heben, besonders auch ihre Streitigkeiten mit dem Stifte beizulegen
und die städtische Verfassung zu ordnen.

Mit dem Aussterben des Mosbacher Astes des Pfälzischen Hauses i. J. 1499 verlor
die Stadt die Hofhaltung und fiel wieder an Kurpfalz, das hier den Sitz eines Oberamts
errichtete. Das XVI. Jh. verlief für Mosbach in Frieden, soweit nicht die unglückseligen
religiösen Wirren des Landes ihren Schatten auch hier auf das bürgerliche Leben warfen.
Der Bauernkrieg hat es unbehelligt gelassen. Von wachsendem Wohlstand und reger
Gewerbsthätigkeit wird öfter berichtet, die Tuchmacher, Messer- und Waffenschmiede
Mosbachs scheinen sich damals eines besonderen Rufs erfreut zu haben. Dabei genoss
die Bürgerschaft bedeutende Rechte und Freiheiten, die das Ansehen der Gemeinde
förderten und als Ueberbleibsel der alten Reichsunmittelbarkeit von den Pfalzgrafen
und deren Vögten oder Oberamtmännern anerkannt wurden. Auch im 30 jährigen
Kriege hatte Mosbach verhältnissmässig wenig zu leiden, trotzdem Bayerische und
Schweden, Kaiserliche und Franzosen abwechselnd sich der Stadt bemächtigt hatten,
ebensowenig im Orle'ans'schen Kriege. Die Franzosen verliessen ihr Winterquartier von
1688 auf 1689, ohne die Stadt, wie üblich, in Brand zu stecken, wie es heisst auf Bitten
der Franziskaner-Mönche, welche sich kurz zuvor daselbst niedergelassen hatten. Dagegen
hat die Feuersbrunst v. J. 1723, den Akten zu Folge, 150 Häuser in Asche gelegt und
ganzen Stadttheilen ein neues Ansehen gegeben. Eine i. J. 1756 neu entdeckte Salz-
quelle vor dem »Oberthor« versprach eine Fundgrube für die Stadt zu werden, wurde aber


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