Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 86
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm4bd4/0101
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
86

KREIS MOSBACH.

Ein zweiter, früher im Dorf eingemauerter Stein mit derselben Inschrift (jetzt auch
in Karlsruhe) stammt ohne Zweifel gleichfalls vom Westkastell. Die 1808 in letzterem
gefundene, ursprünglich dort eingemauerte Steinplatte (jetzt in Karlsruhe) trägt die
Inschrift: MINERVAE PRO SALVTE IMP(eratoris) N(ostri) LIBRARI. (Die
librari sind die Beamten des Tabulariums der Cohorte.)

Von Einzelfunden ergab das Westkastell Scherben von Thongefässen gröberer
und feinerer Art in den Formen aus dem Ausgang des I. und Anfang des II. Jhs. n. Chr.,
darunter solche aus rother terra sigillata mit verschiedenen Töpferstempeln, sonst einige
Münzen, Schmuck- und Gebrauchsstücke u. dergl.

Das Ostkastell, in der Hauptanlage ziemlich quadratisch gedacht (79,50 m breit
und tief), erscheint etwas verschoben, weil man des Terrains wegen die linke Flanke in
ihrem östlichen Theil etwas einzuziehen genöthigt war. Aehnlich wie in Osterburken

Fig 4q. Römische Bauinschrift von Necharburken.

ist ihm in späterer Zeit gegen Süden ein 28 m breiter Anbau mit scharfen Ecken
angefügt, während diejenigen des Kastells selbst, wie gewöhnlich, abgerundet sind. Die
Stärke der gleichfalls aus rothem Sandstein errichteten Umfassungsmauern schwankt
im Fundament zwischen 0,90 und 1,60 m; sie zeigten sich, besonders an der Nordseite,
theilweise noch bis über 1 m hoch im aufgehenden Mauerwerk erhalten. Erdwall und
Graben waren nicht mehr aufzuklären; von Thoren mit flankirenden Thürmen und
3,45 bis 3,80 m breiter Einfahrt waren, da die porta dextra fehlte, nur drei vorhanden.
An der porta decumana erschien der südliche Thurm besonders gut erhalten; aussen
waren Gesimse und sonstige architektonische Zierstücke angebracht; innen Hessen gefundene
Bruchstücke von Glasscheiben und mehrere Beschläge und Schlüssel von Kasten und
Truhen aus Bronze und Eisen auf die innere Einrichtung schliessen. Ob der Thorweg
überwölbt war, ist fraglich, da zahlreich herumliegende keilförmige Tuffsteine von Fenster-
wölbungen herrührten. Unmittelbar westlich vor der Thoreinfahrt wurde eine grosse
Inschrift-Tafel (s. Fig. 50) von Sandstein, 60 cm hoch und noch 3,06 m lang, gefunden,
die einst über dem Thor eingemauert war; ihre ursprüngliche Länge entspricht genau der
Breite des Thorwegs und zahlreiche Mörtelreste haften noch an ihrer rauhen Rückseite.
Die Inschrift lautet:
loading ...