Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 165
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm4bd4/0188
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
AMT EBERBACH. — EBERBACH.

I65

Führung der Stadtgeschäfte durch vier Bürgermeister und dieser gegenüber machte schon
Pfalzgraf Ruprecht I. den ersten Versuch, sich als Landesherrn zu zeigen, indem er 1361
die Zahl der Bürgermeister auf zwei minderte und fortan auch das Recht ihrer Ernennung
für sich in Anspruch nahm, die sich in der Folge allerdings auf eine Mitwirkung des
landesherrlichen Beamten bei der Wahl beschränkte. Nachdem kurz darauf die Pfalz-
grafen auch noch den Kirchensatz an sich gebracht hatten, wurde Eberbach mehr und
mehr als pfälzische Stadt angesehen und lernte bald auch selbst, sich als solche zu
betrachten.

Oberster pfälzischer Beamter in Eberbach war ein Vogt, der seinen Sitz wohl noch
auf der Burg hatte; ihm untergeordnet war ein Schultheiss, zugleich Centgraf der noch
mehrere Landorte umfassenden Eberbacher Cent, und als wirthschaftlicher Beamter war
ein Keller bestellt. Der Rath umfasste 12 auf Lebenszeit gewählte Mitglieder, die zugleich
unter Leitung des Schultheissen das Stadtgericht bildeten. Im Uebrigen wurden die
städtischen Aemter jährlich besetzt und es mag noch erwähnt werden, dass jeweils die
Bürgermeister des Vorjahres als »Baumeister« für Instandhaltung der Stadtbefestigung etc.
zu sorgen hatten.

Nach dem Tode König Ruprechts fiel Eberbach an die Mosbacher Linie. Otto I.
kaufte 1426 von einer in Eberbach verbürgerten Adelsfamilie ein Steinhaus in der Stadt
— das jetzige Amtsgericht — das fortan als Verwaltungsgebäude diente, während die
Burg nun offenbar dem Verfall überlassen wurde. Otto II. Hess auch das Amt des Vogtes
eingehen und die Eberbacher Cent war fortan eine Unterabtheilung des Oberamtes
Mosbach, wobei es auch blieb, als nach Otto's Tod die Mosbachischen Besitzungen 1499
wieder an Kurpfalz heimfielen.

Im XVI. Jh. suchte dreimal — 1528, 1547, 1556 — die Heidelberger Universität
in Eberbach längere Zuflucht, um der in Heidelberg herrschenden Pest aus dem Wege
zu gehen.

Die Reformation wurde in Eberbach nominell i. J. 1556 eingeführt, doch ist ersicht-
lich, dass schon der letzte, nach langer Amtszeit in genanntem Jahre gestorbene kath.
Geistliche ihr stark zugeneigt war und demnach wohl auch die Gemeinde schon längst
nur dem Namen nach ihrem alten Bekenntniss noch angehört hatte.

Ungeachtet mancher widrigen Verhältnisse nahm die Stadt während der älteren
Zeit der pfälzischen Herrschaft langsam aber stetig zu; sie begann sich auch ausserhalb
des oberen Thores auszubreiten und ein zweiter Marktplatz daselbst, der jetzt sogen,
neue Markt, wurde 1617 angelegt oder erweitert.

Dann aber kam der 30jährige Krieg, der Eberbach in seiner Entwickelung wieder
weit zurück warf. Dem veralteten Zustand ihrer Befestigungen hatte es zwar die Stadt
vielleicht zu verdanken, dass nie die eine oder andere Partei sie als Stützpunkt auswählte
und so ihr eine Belagerung durch die Gegner zuzog. Aber die Kehrseite davon war die,
dass die Thore für alle Parteien offen stunden und Freund und Feind der Bürgerschaft
die schwersten Lasten auferlegte. Dass Grausamkeiten gegen die Bewohner verübt worden
wären, wird uns zwar nicht berichtet, aber die vielfachen Plünderungen und Contributionen
brachten die Bevölkerung fast zur Verzweiflung. Besonders übel hauste ein Trupp kaiser-
licher Reiter i. J. 1634, der auch das bis dahin glücklich durchgerettete Rathssilber
mitnahm und grosse Verwüstung auf dem Rathhause anrichtete. Das alte Bürgerbuch
trägt heute noch einen Denkzettel davon in Gestalt eines zolltiefen Hiebes, den ein
loading ...