Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 211
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AMT EBERBACH. — ZWINGENBERG. SCHLOSS ZWINGENBERG.

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Der Palas ist im Gegensatz zu der gegenüberliegenden Kemenate durchweg unter-
kellert (s. Fig. 137). Gleich neben der Thorhalle führt ein weites Portal über mehrere
Stufen hinab in den Keller; darüber Reste von barocker Wandmalerei. Die weiten
gewölbten Räume dienten als Wein- und Vorrathskeller. Das Erdgeschoss wird im
nördlichen Flügel ganz von der Küche eingenommen, deren Holzdecke auf einem
kräftigen, von einem antikisch verzierten Steinpfeiler (v. J. 1595) gestützten Unterzug
ruht (s. Fig. 13g). Die Thür, welche vom Treppenthurm aus hineinfuhrt, zeigt Ver-
zierungen im Stile des Thurmportals. Die roh behauenen Eichenholz-Balken der Decke
scheinen noch die alten zu sein. An der Westwand der grosse Herd mit Rauch-Mantel.

Fig. 140. Wandgemälde in der BurgkaptlU von Zwingenberg.

Eine zweite rundbogige Thür mit ebenso verzierten Sandsteingewänden bildet den Neue Kapelle
Eingang zu der das ganze übrige Erdgeschoss einnehmenden Neuen Kapelle. Ursprüng-
lich scheint dieser nachgedeckte weite Raum die Türnitz der Burg gewesen zu sein,
d. h. der Aufenthalts- und Speiseraum für die Dienerschaft, das Gefolge der Gäste u. s. w.,
der vor Anlage der Lauben direkt vom Hofe aus zugänglich war. Seine Umwandlung
zum Betsaal ist unter Karl Theodor erfolgt; damals wird auch der einfache Barock-Altar
entstanden sein, der an der nördlichen Schmalwand steht. Die jetzige Ausstattung und
Ausmalung des Raumes ist stillos; den einzigen künstlerischen Schmuck bilden zwei
Serien Heiligenfiguren in Flachrelief aus Eichenholz geschnitten, mit daran befindlichen Holzrelicfs
Renaissance-Konsolen an den Wänden: 9 grössere, die Apostel, und 10 etwas kleinere
Figuren, verschiedene männliche und weibliche Heilige darstellend. Sie sollen vom
Markgrafen Max aus dem Salemer Kloster hierher verbracht worden sein und entstammen
wohl zwei grösseren Altarwerken des ausgehenden XVII. Jhs. Gute, aber etwas charakter-
lose Arbeiten.
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