Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

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Plakat-Entwürfe.

205. Plakat-Entwurf von Tip p el, Berlin.

Tolorit. Auch L. Auba-München (*) erzielt mit dem
gleichen Thema in ähnlicher, wenn auch nicht so ein-
facher und graziöser Behandlung eine gute Wirkung,
ebenso A. Münzer-München (*). Letzterer führt uns
eine Malerin vor, die einen Strauß großer rother
Mohnblunren in einer blauen Base copirt, wodurch
eine erhöhte Farbenwirkung erzielt wird. Das Plakat
von E. Al ossowski-Berlin (*) mit einer in stiller Be-
trachtung dasitzenden Malerin, das durch allzu flache
Behandlung des Aörpers auffällt, ist als allgemeines
Beispiel einer bestimmten, jetzt vielfach beliebten und
geübten Plakatgattung anzuführen, von der jedoch
wünschenswerth ist, daß sie nicht allzugroße Nach-
ahmung fände. Entschieden feiner und glücklicher
wirkte Seiler's Blatt einer Holländerin mit einem
Farbenkasten. Im Gegensatz zu den ineisten Ent-
würfen, die in den Farben sich nicht genug thun
konnten, hält Seiler sehr weise Maaß und erzielt
mit einem schönen satten Dunkelblau einen wohl-
thuenden ruhigen und ansprechenden Reiz. Aehnlich
wirkt die gemeinsame Arbeit Walther püttner's
und Ad. Gösers mit einer Dame in Violett.

Gegenüber dieser Gruppe, die ganz auf die
Hereinbeziehung des Pelikans verzichtete und zu der
auch I. R. Witzels tanzende Mädchen (*) gehören,
steht die weit größere Gruppe jener, welche durch

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den Vogel allein oder nur nnt wenigem weiterem Bei-
werk auf die „pelikan"farbe Hinweisen wollten. Mit
gutein Recht wurde der Versuch gewagt, aber sehr
zweifelhafte Resultate förderte er zu Tage. Vor Allem
machte sich der Mangel eines soliden Naturstudiums
bei vielen Entwürfen geltend; gar zu oft traten
Einem recht sonderbare Geschöpfe entgegen, die mit
einer veritablen Gans oder eineni Storch mehr
Familieneigenthümlichkeiten als mit einem Pelikan
gemein hatten. Als glücklichste Lösungen seien — von
Julius Dietz' Entwurf abgesehen — noch die zweite
gemeinsame Arbeit von W. püttner und Ad.
Höfer (*) zu nennen, eine Schaar Pelikane, die eine in:
Wasser schwimmende Tube betrachten. Aehnlich ver-
arbeitete Lesker den Stoff, ein Pelikan im blauen
Wasser stehend, das goldene Ringe zieht. Dis alte
Idee des feine Jungen nährenden Pelikans verwerthen
am schönsten Tippel (*), der damit japanische Ein-
drücke namentlich im Hintergründe gut zu verbinden
weiß, und S ch mi d t-He ln: b rechts -München (*),
der ein rundes Feld mit dem sich opfernden Vogel von
einem mit Pfauenfedern gemusterten, vielleicht etwas
zu dunkel gerathenen Grunde abheben läßt, zweifellos
eines der besten Blätter des Wettbewerbes. Auch
stilistisch wurde der Vogel verarbeitet;, der Entwurf
von Hohlwein-Dresden (*) darf als der verhältniß-
mäßig gelungenste dieser Art, jener von Earl Ziegrer-

I 206. Plakat-Entwurf von Schmidt-Pelmbrechts, München.
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