Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 211
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Chronik des Bayer. Knnstgewerbevereins.

wie man vielleicht im Anfang befürchten konnte, ein
unbezwingbares Bollwerk „alter" oder „sich alt ge-
bärdender Aunst" fein will, sondern daß sie bestrebt
ist, den künstlerischen Strömungen der Gegenwart so
viel als möglich Rechnung zu tragen. Das ist in
hohem Grad anerkennenswerth, aber es ist auch ein
Gebot der Selbsterhaltung; denn nur dadurch, daß
die genannte Vereinigung den Regungen der Zeit
Raum läßt, vermag sie die bei ablehnender Haltung
unvermeidliche Entfremdung zwischen Gesellschaft
und kirchlicher Aunst und alle die daraus herzu-
leitenden Schäden hintanzuhalten. Den kurz und
sachlich gehaltenen, mit zahlreichen großen Abbil-
dungen durchsetzten Text begleiten zwölf prächtige,
in Aupferdruck, Lichtdruck und Farbendruck herge-
stellte Tafeln mit Architekturen, Deckengemälden,
Grabmälern, Glasbildern, Altarfiguren und Altar-
geräthen. An Aünstlern sind vertreten: die Architekten
A. Thiersch, I. Schmitz, — die Bildhauer S. Eberle,
A. pruska, Wadere, Brandstetter, Myslbek, Aug.
Schädler, palacios, Math. Streicher, Ed. Weißenfels,
f). Schiestel, Jak. Stolz, R. Harrach, — die Maler
Fr. Aunz, £. Schleibner, Ad. Walker, L. Feldmann,
f}. Nüttgens, Fr. Storni, B. Locher, Al. Balmer,
Math. Schiestel. (Für solche, die sich näher um die
Bestrebungen der „Deutschen Gesellschaft für christliche
Aunst" interessiren liegt ein Exemplar der Vereins-
satzungen im Sekretariat des Aunstgewerbevereins
zur Einsichtnahme auf. Der Jahresbeitrag beträgt
fO Mk.; Vereinsmitglieder erhalten die Iahres-
mappe unentgeltlich.)

münchener Ratender 1899 und der kleine Mün-
chener Aalender; beide erschienen in der
Nationalen Verlagsanstalt zu München, ersterer zu
s Mk., letzterer zu 50 pfg. — Schon seit der Mitte
der 80erfahre erfreut dieser Aalender die Freunde von
0. Hupp's künstlerischer Muse. Seit mit dem Jahr-
gang s8ß5 eine systematische Vorführung der deut-
schen Wappen begonnen, hat sich der Aalender zu
einem für heraldische Bedürfnisse bedeutsamen Nach-
schlagebuch erweitert, das ihm neben seinem künst-
lerischen auch einen wissenschaftlichen Werth verleiht. *

SrßkarunH.

In dem Aufsatz von Ferd. Morawe über den
Wiener Streit um dasAunstgewerbe (S. 99/
Heft III des lauf. Iahrg.) sind Bemerkungen ent-
halten, welche auf das politische Gebiet hinüber-
greisen. Es muß hierzu konstatirt werden, daß es
keineswegs in den Tendenzen des Bayer. Aunst-
gewerbevereins liegt, sich mit politischen Dingen zu
befassen. Vor der Veröffentlichung jenes Aufsatzes
hatte weder die Redaktions - Aommiffion noch die
Vorstandschaft des Bayerischen Aunstgewerbevereins
Aenntniß von dem Inhalt desselben; unsere Schrift-
leitung aber ist sich über die Wirkung und Trag-
weite solcher Auslassungen nicht klar geworden. Wir
möchten deshalb unserm lebhaften Bedauern über
den vorgekommenen Zwischenfall hiemit entsprechen-
den Ausdruck geben.

Die (DorstanLfchaft
Leo lKaxer. AunstgewerKevereins.

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Gromk W MmWil MnWWrvkmM.

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-Akkgemeine (Vereinsnachrichken.

Die Vereinskommissionen haben sich in den letzten Wochen
konstituirt; dabei wurden zu Gbmännern, bezw. Schriftführern
gewählt: I. ksallenkommission: kjofjuwelier Heiden, bezw.
Bildhauer Ringer; — II. Redaktionskommission: Architekt
Th. Fischer, bezw. Prof. Pfeifer; — III. Bibliotheks-
kommission : Architekt Bertsch, bezw. Lithograph Zenkert; —
IV. Finanzkommission: Bankdirektor Welzel, bezw. Magistrats-
rath Barth. —

Den ausführlichen Bericht über die Generalversammlung
müssen wir wegen Raummangels für die nächste Nummer
zurückstellen.

Zur Richtigstellung des Mtgliederverzeichuisses werden
die Vereinsmitglieder gebeten, Wohnungsänderungen beim
Vereinssekretariat anzuzeigen.

Jahresbericht für }$$$ an die Bändels- und Gewerbe-
kammer von Gberbaycrn.

Das Geschäftsjahr 189s kann im Allgemeinen ein gutes
genannt werden. Das heimische Kunstgewerbe verspürte die

günstige Einwirkung des allgemeinen Aufschwunges, den die
deutsche Industrie und der Handel nahmen.

Eine Reihe von größeren Aufträgen, die theils aus Münch-
ner Kreisen ertheilt und auch für die hiesigen Besteller erledigt
wurden, sowie auch viele namhafte auswärtige Bestellungen
und solche aus dem Auslande bewirkten, daß eine große Zahl
hiesiger Kunstgewerbetreibender das ganze Jahr hindurch voll-
auf und lohnend beschäftigt waren.

Nachdem das Jahr \8<)8 von Anfang an besser war als
das Vorjahr, brachte der Mai einen kurzen Rückschlag. Der
Grund für denselben dürfte in dem damals ausgebrochenen
Schreinerstreik zu suchen sein.

Nach dessen Beendigung erholte sich das Geschäft rasch,
um abermals zurückzugehen durch den endlichen Ausbruch des
amerikanisch-spanischen Krieges. Der gegen die Vorjahre sehr
reduzirte Umsatz im August und September ist aus das Fern-
bleiben der reichen Amerikaner und auf die Unterbrechung des
Absatzes nach Amerika zurllckzuführen.

vom Jahresschlüsse ist nur das Beste zu sagen. Das
Weihnachtsgeschäft speziell war sehr günstig.
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