Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 278
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1898_1899/0302
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
vom Büchermarkt.

^(7. Schmiedciserne Leuchter von p. Aölbl u. Sohn, München.
0/s d. w. Gr.) Muster geschützt.

eigentlichen Wandflächen beschränkt, dem letzteren
gleichzeitig dadurch eine höhere Bedeutung zu geben,
daß er ihn dekorativ durchbildet. Da wird um die
schmale Formsteinumrahmung der Fenster und Thüren
eine zweite Einfassung gelegt aus glattem putz, an
dessen äußeren Rand sich leicht in den putz gezeich-
nete Ornamente anschließen, die sich hell von den:
rauhen und darum dunkler wirkenden Putz der Wand-
flächen abheben; oder es werden in dieser Weise
einzelne Wandstücke, Friese, Zwickel, Giebelfelder
geschmückt. Seinem inneren Wesen nach steht dieses
Verfahren der alten Sgraffitotechnik sehr nahe;
während aber diese auf der Anwendung eines hell-
farbigen Anstrichs über dunklem Putz beruht und der
Wechsel von dunkel und hell durch theilweises Ent-
blößen des dunklen Unterputzes hervorgerufen wird,
wirkt das andere Verfahren hauptsächlich durch den
Gegensatz zwischen glatten und rauhen putzflächen —
ein Gegensatz, der selbst einer leichten Anwendung
von Farbe nicht mehr zur Hervorhebung bedarf, da
Staub und Ruß diese Arbeit rasch genug besorgen.
Wenn auch der Reiz der Mehl'schen Blätter -
namentlich in Bezug aus die farbige Erscheinung —
weniger in dieser eigenartigen Behandlung des Putzes
als vielmehr in der überaus manchfaltigen Ver-
wendung der Formsteine begründet ist, so leuchtet
doch ein, daß dieses einfarbige Sgraffito-Verfahren
geeignet ist, im Bereich des Putzbaues eine Rolle zu
spielen, die seinem Wesen besser angepaßt ist als das

Nachahmen von Haustein formen. — Zn diesem Sinn
machen wir uns gern die Worte des Herausgebers
zu eigen: Formziegel und putz, verschmolzen zu einem
Ganzen, dem Bedürfnisse angepaßt und am richtigen
Orte sinngemäß verwendet, — mögen der vater-
ländischen Baukunst neueZmpulse verleihen und frisch-
belebend wirken in nüchterner hastender Zeit. R.

Pflarrzenblätter im Dienste der bildenden Aünste
und des Aunstgewerbes; 20 Tafeln in litho-
graphischem Naturselbstdruck, mit erläuterndem Text
von Prof. Fedor Flinzer, Leipzig. E. bsaberland.
Preis \2 RA.

Wo man sich im Bereich der dekorativen Runst
umschaut, überall stößt man aus Versuche, die bei
uns heimische Pflanzenwelt dem Ornamente dienstbar
zu machen. Theoretiker aller Art und Naturforscher
kommen diesen Bestrebungen entgegen, indem sie
theils durch das Wort auf die unversieglichen Quellen
der Schönheit in den Naturformen aufmerksam
machen, theils durch geschickt gewählte Abbildungen
den Stubenhockern ein Licht aufstecken über den un-
geahnten Formenreichthum, mit dem die freie Natur
die künstlerische Phantasie desjenigen bereichert, der
die Augen offen hält. Fedor Flinzer, bekannt als
einer der tüchtigsten deutschen Methodiker des Zeichen-
unterrichts, hat schon vor zwei Dezennien in seinen
elementaren Zeichenübungen das Zeichnen natür-
licher Pflanzenblätter als besonders bildend em-
pfohlen. Mit den 20 Tafeln, auf denen punderte
von Naturblättern in gepreßtem Zustand (genau mit
den Aderungen) abgedruckt sind, will Flinzer da-
gegen hauptsächlich die künstlerische Beobachtung
wecken. Diese Sammlung soll „einem liefern Er-
fassen der in so wunderbarer Mannigfaltigkeit auf-
tretenden organischen Grundgesetze dienen, nicht aber
dem unmittelbaren Aopiren nach dem Abklatsch".
Der Herausgeber stellt sich
damit auf den gleichen
Boden mit Meurer, nur
daß er auf dieDolmetscher-
thätigkeit der Aünstler-
hand verzichtet und die
Sprache der Pflanzen direkt
zu Gehör bringt. Zweifel-
los hat dies feine großen
Vorzüge; aber ein solches
Verfahren schließt eben
alles aus, was über das
Gebiet der Flachbildung
hinausgeht, — ja schon
bei manchen in ihrer
plastischen Erscheinung
lebhaft bewegten Blättern

H(8. Schmiedeiserner bsand-
leuchter von p. KölbI und
Sohn, München.

('/6 d. w. Gr.) Muster
geschützt.

278
loading ...