Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 77.1927

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KLEINE MIT

T E I L U N G E N

Berichtigung. In der Buchbesprechung Frie drich
v. Thiersch, der Architekt, Novemberheft 1926, S. 174, hat
sich bedauerlicherweise ein sinnstörender Druckfehler
eingeschlichen: Statt „Nachsicht“ muß es „Nahsicht“
heißen.

Neue Münchener Künstlergenossenschaft. Am
3. Januar 1927 wurde von 42 Mitgliedern der Münchener
Künstlergenossenschaft eine neue Vereinigung mit dem
Namen „Neue Münchener Künstlergenossenschaft“ ge-
gründet.

Als Vorstandschaft der Neuen Münchener Künstler-
genossenschaft wurden gewählt: Prof. Ludwig Bol giano,
I. Präsident, Ferdinand Staeger, II. Präsident, Hubert
Wilm, I. Schriftführer. Als Beisitzer: Prof. F. Baum-
hauer, K. Blocherer, Baurat G. Büchner, Prof. Peter
Danzer,C.Gerhardinger,Prof.A.Müller-Wischin,
P. Kalman, Prof.F.Liebermann,Prof.K.M.Porsche,
Prof. H. Wadere. Anschrift: Hubert Wilm, München,
Leopoldstraße 141.

Münchener Künstlergenossenschaft. In der Ge-
neralversammlung vom 19. Januar wurde einstimmig Prof.
Fritz Beim zum I.Präsidenten gewählt und ihm bedin-
gungslos zugesichert: Freie Ausübung aller sonst der Ge-
neralversammlung zustehenden Rechte, insbesondere in
allen Ausstellungsangelegenheiten. Zwei Jahre lang wird
keine Mitgliederversammlung stattfinden. Der I. Präsident
bildet die neue Vorstandschaft nach eigenem Ermessen.
Kultur des Handwerks. UnterdiesemTitel tritt
die Leitung der Ausstellung München 1927-—„Das Baye-
rische Handwerk“ mit einer Monatsschrift an die Öffent-
lichkeit. Das erste Heft, Dezemberheft 1926, wird durch
Geleitworte des Reichspräsidenten Hindenburg, des baye-
rischen Ministerpräsidenten Dr. Held, des Handelsmi-
nisters Exz. von Meinel und des Oberbürgermeisters ein-
geleitet und enthält Aufsätze historischen wie wirtschafts-
politischen Inhalts. Als Schriftleiter zeichnet Cajetan.
M. Freund. Die bemerkenswert hübsche Ausstattung
stammt von der Deukula, der Umschlag von Glass.

Der Münchener Bund veranstaltete am 2J. No-
vember einen Sprechabend, der durch drei Referate über
die Ausstellungen der kommenden Jahre eingeleitet
wurde. Dr. Frhr. von Pechmann berichtete über den
Stand der Vorarbeit für eine 1930 geplante internatio-
nale Ausstellung in Berlin. Der Gedanke entstammt
einer Anregung Riemerschmids auf der Bremer Werk-
bundtagung 1925, anfänglich wurde als Ausstellungsort
Köln (in Anknüpfung an die vorzeitig beendete WB-Aus-
stellung 1914) in Aussicht genommen, dann Düsseldorf,
schließlich Berlin, wo eine Bauausstellung bereits ge-
plant war und bei Witzleben ein sehr günstiges Gelände
zur Verfügung wäre. In den Vorbereitungsausschuß wur-
den die Herren Bruckmann, Fischer, Riemerschmid, Riez-
ler, Mies v. d. Rohe, Poelzig und von Pechmann gewählt.

In dem Anspruch des Bundes deutscher Architekten und
der Bauwirtschaftsverbände, auch ihre Pläne zu verwirk-
lichen, erblickte die Werkbundleitung die Gefahr, daß
die einheitliche Gestaltung gestört würde; der Werk-
bund will ein deutsches Interesse vertreten, alle mit-
arbeiten lassen, die Leitung aber selbst behalten. Dage-
gen steht der Reichsverband der deutschen Industrie
aus finanziellen und wirtschaftspolitischen Erwägungen
dem Vorhaben ablehnend gegenüber. Man kam schließ-
lich zu dem Einigungsvorschlag, eine Ausstellung ge-
ringeren Umfanges zu schaffen, die nur Spitzenleistungen
bringen soll, doch ist Durchführung und Zeitpunkt noch
unentschieden. Berlin will jedenfalls sein Ausstellungs-
gelände bebauen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß
eine Werkbundausstellung dann in einer anderen Stadt
veranstaltet wird. Weiterhin sprach Geh.-Rat Bruckmann-
Heilbronn über die kommende Bauausstellung in Stutt-
gart, die der Typisierung im Wohnungsbau als brennender
Zeitfrage gewidmet ist. Die Stadt Stuttgart hat aus ihrem
Bauprogramm von 1400 Wohneinheiten 60 an die Aus-
stellungsleitung für Ausführung überlassen unter der Zu-
sage, sich der Einwirkung zu enthalten. Folgende Archi-
tekten wurden mit der Herstellung der 60 Wohneinhei-
ten betraut, die den Mittelpunkt der Ausstellung bilden
sollen: Frank-Wien, Oud und Stamm-Rotterdam, Cor-
busier-Genf, Behrens, Doecker, Gropius, Hilbersheimer,
Mies van der Rohe, Poelzig, Rading, Scharaun, Schneck,
Bruno und Max Taut. Die Wohnungen werden mit zeit-
gemäßer Inneneinrichtung versehen und sind nach Been-
digung der Ausstellung für Ingebrauchnahme bestimmt.
Schließlich berichtete Ob.-Stud.-Dir. Wiederanders über
den Stand der Vorbereitungen für die Ausstellung Mün-
chen 1927 „Das bayerische Handwerk“. In der Aussprache,
die Oberbürgermeister Scharnagl eröffnete und an der sich
die Herren Hoene, Renner, Paepke, Berndl beteiligten,
kam u. a. auch die in München für 1928 geplante Aus-
stellung „Heim und Technik“ zur Sprache, deren Vor-
bereitung bekanntlich von Oskar von Miller geleitet wird.
Wirtschaftliches. Einem Berichte des Reichs-
wirtschaftsverbandes bildender Künstler entnehmen wir,
daß der Regierungsentwurf für den endgültigen Reichs-
wirtschaftsrat fertiggestellt ist. Die freien Berufe sollen
dabei wenig berücksichtigt und schlechter gestellt sein als
alle anderen, wie dies zu erwarten war. Von einer ange-
messenenVertretung derKünstlerschaft ist jedenfalls nicht
die Rede. Beachtenswert sind die dem gleichen Berichte
entnommenen statistischen Angaben über den Anteil der
freien Berufe und der Künstler an der Erwerbstätigkeit:
Im Freistaate Sachsen gehörten von 2700000 Erwerbs-
tätigen nur 62 000 freien Berufen an, so daß auf 44 Er-
werbstätige ein solcher eines freien Berufes trifft. Der
Wert dieser Statistik wird freilich dadurch in Frage ge-
zogen, daß z. B. auch Pfarrer, ferner angestellte Redak-

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