Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 8.1897

Seite: 116
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KLEINE MITTEILUNGEN.

städtischen Verwaltungen, welche von den Konkurrenzen
profitiren wollen, müssen selbst die Plätze nennen, welche
sie durch solche Beleuchtungsapparate geziert zu sehen
wünschen und die Preisbewerber sind verpflichtet, ihre Ent-
würfe mit Eücksicht auf einen solchen und auf einen be-
stimmten Zweck zu machen. Die erste Aufgabe, Pläne für
dekorative Passaden einzureichen, erscheint nicht ganz glück-
lich gewählt. Die Belgier hegen für solche eine besondere
Vorliebe und der Geschmack darin ist auch durch die Schön-
heit der alten Passaden, die sie beständig vor Augen haben,
ein geläuterter. Aber was die Gesellschaft bei ihrem Aus-
schreiben ausser acht gelassen, ist, dass eine Fassade eigent-
lich nichts an und für sich ist, sondern nur dann einen
künstlerischen Wert besitzt, wenn sie das logische Resultat
der inneren Einrichtung des Gebäudes, an welchem sie sich
belinden, genannt werden kann.
Die Straße mag ja allerdings, falls
eine fortlaufende Reihe schöner
Passaden sie schmücken, dadurch
außerordentlich gewinnen, und
wenn der Verein nur diesen Ge-
sichtspunkt in Betracht zieht, er-
scheint der Gegenstand der Kon-
kurrenz ein gerechtfertigter, aber
für die Baumeister selbst liegt
darin eine Gefahr, sie können
dadurch aus den Augen verlieren,
daß das Äußere eines Gebäudes
nur dann schön ist, wenn es mit
dem Innern harmonirt. Sehr
glücklich gewählt erscheint da-
gegen der andere Vorwurf und
auch ganz besonders ist zu loben,
dass jeder der Entwürfe einen
bestimmten Zweck in Betracht
ziehen muss. Dadurch ist eine
Verschiedenheit derselben garan-
tirt und zugleich, wenn einzelne
derselben später zur Ausführung
kommen sollten, dass sie sich an
der betrellenden Stelle auch wirk-
lich an ihrem Platze belinden
werden und ihr zur Zierde ge-
reichen. So wird es gelingen, den
Straßen etwas von dem reizvollen
Aussolien wiederzugeben, das sie
im Mittelalter trugen. Es wäre
sehr zu wünschen, dass ein glei-
cher Verein, wie er in Belgien be-
steht, sich auch in Deutschland
gründete. Wir haben wahrlich
keinen Grund, über das künst-
lerische Aussehen unserer Straßen
große Befriedigung zu empfinden
und jede Verbesserung nach die-
ser Richtung hin wäre mit Freu-
den zu begrüßen. Die Belgier
sind uns mit gutem Beispiel vor-
angegangen, sie haben es ver-

standen, die öffentliche Meinung zu interessiren, sich dadurch
die nötigen Mittel zu verschaffen, sowie Persönlichkeiten zu
gewinnen, die Initiative und Ausdauer besitzen und dies alles
für einen rein künstlerischen Zweck. Weshalb sollte sich
dies nicht auch in Deutschland ermöglichen lassen?

Renaissanbe-Thürklopfer, gezeichnet vom Kunstgewerbe-
schüler Niekholz, Karlsruhe.

Die auf Seite 104 abgebildete Bronzestatuette ist nach
der auf dem Alexanderplatz in Berlin errichteten Original-
statue nach Professor Hund-
rieser's Modell in dessen Atelier
vom Bildhauer Monno reduzirt
worden. Der Sockel der Sta-
tuette ist von Bronzewarenfabri-
kant W. Quehl entworfen und
besteht aus algerischem Onyx und
ist mit einer ciselirten, vergolde-
ten Bronzemontirung mit Halb-
edelsteinschmuck versehen. Die
Ausführung der ganzen Arbeit
lag in den Händen des Herrn
W. Quehl. Die Statuette wurde
dem Landtagsabgeordneten und
Stadtverordneten -Vorsteher Dr.
Paul Langerhans in Berlin vom
Wahlvorein des dritten Berliner
Roichstagswahlkreises als „Jubi-
läumsgeschenk" gewidmet.

BERICHTIGUNG.

Auf Seite 99, Heft 6 muss es
„Zu unsern Bildern" heißen:
Zeile 2 Soest'schen Hause statt
Loost'schen Hause und Zeile 9
Albert von Soest statt Albert
von Loest.

ZEITSCHRIFTEN.
Bayerische Gewerbe ■ Zeitung.
18!) 7. Nr. 4.

Wanderungen durch die II. Baye-
rische Landesausstellung. Von
Dr. E. Eeicke. (Forts.)
Journal für Buckdrucker-
kunst. 1897. Nr. 8.

Monoline und Linotype. — Die
Schrift der Reklame. — Die Ka-
lender-Litteratur des Jahres 1897.

Zeitschrift für Innendekora-
tion. 1897. Märzlieft.

Der Fenster - und Thürvorhang.
Von F. Luthmer. — Die Ein-
wirkung der Kunstgewerbemuseen
auf das Kunstgewerbe. (Forts, und
Schluss.) — Melchior Lechter und
das Kunstgewerbe. Von R. W ein-
hold. — Etwas über Fransen und
Quasten. — Teppiche als Dekora-
tionsmittel. Von J. Kirchner.
— Von der Alt- und Neuhaller-
Ausstellung in Hall in Tirol. Von
Fr. Mineus.

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Herausgeber und für die Redaktion verantwortlich: Architekt Karl Iloffacker in Charlottenburg - Berlin.

Druck von August Pries in Leipzig.
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