Deutscher Altphilologenverband [Hrsg.]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

Seite: 51
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20. Tagung der Mommsen-Geseüschaft vom 16.5. bis 19.6.1989 in Eichstätt
40 Jahre nach Gründung der Mommsen-Gesellschaft trafen sich ca. 200 Mitglieder in
der bayerischen Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt zur 20. Tagung. Das Ambien-
te dieses kulturträchtigen Ortes gab von Anfang an dem Treffen einen Hauch von Anti-
ke, da schon im Spiegelsaal der bischöflichen Residenz, wo die Eröffnung stattfand,
bildliche Darstellungen zu Ovids Metamorphosen die Alte Welt unmittelbar vor die
Augen brachten. Darauf Bezug nehmend rechtfertigte der Vorsitzende der Gesell-
schaft Professor Ernst A. Schmidt in seinen Begrüßungsworten das der Gegenwart und
Mode ferne Wirken der Altertumswissenschaftler damit, daß sie die Möglichkeiten des
Menschen in vielfachen Brechungen (eben durch „den Blick in mehr und älteren Spie-
geln") sähen und so aus der Distanz zu Entwicklungen und Trends der Gegenwart an-
dere Positionen aufzeigen könnten. Die Bedeutung historischer Wissenschaften in
Bayern wies dann der bayerische Wissenschaftsminister Professor Wild an verschiede-
nen gerade mit Eichstätt verbundenen Wissenschaftlern und Literaten nach, so daß er
den das Land Bayern ehrenden Besuch der Altertumswissenschaftler in lang bewährte
Traditionen eingefügt sah. Der Bischof und zugleich Magnus Cancellarius der Univer-
sität Eichstätt hieß die Mitglieder der Mommsen-Gesellschaft und deren Gäste ebenso
herzlich willkommen wie der Landrat des Kreises. Der Oberbürgermeister der Stadt
und der Universitätspräsident luden zu je einem Empfang.
Es fällt schwer, auf knappem Raum die an Erkenntnissen und Perspektiven reichen
Vorträge der Tagung auch nur skizzenhaft anzudeuten. Deshalb seien nur einige
Schwerpunkte herausgestellt. Im ersten Themebereich „Biographie und Porträt" wur-
de deutlich gemacht, wie sich im Wechselverhältnis von politischer Realität und
künstlerischer Absicht Plastiken und ikonographische Formen entwickelten, die die in-
dividuelle Physiognomie der Person mit übergreifenden Typenelementen verbinden,
denen auch propagandistische Aussagen zugrunde gelegt sind. Die Biographie als eine
erste, leichte Möglichkeit, sich in einem erneuten Anlauf der Geschichtsschreibung
zuzuwenden, wurde in ihren Bedingungen und Notwendigkeiten am Fall der Caesar-
Biographie Christian Meiers exemplifiziert; solch neue literarische Absicht leitet die
Überzeugung, daß die historischen Wissenschaften nicht um ihrer selbst willen zu be-
treiben seien, sondern die Ergebnisse ihres inneren Diskurses auch einer Öffentlichkeit
vorgezeigt werden müßten. Der zweite Themenkreis „Archaisches Griechenland"
brachte sowohl Aspekte der frühgriechischen Dichtung und der plastischen Darstel-
lung wie auch Entwicklungen in der Gesellschaft und im Prozeßrecht der Frühzeit zur
Sprache. Der dritte Themenkreis spaltete sich auf in Sektion I: „Griechenland" und
Sektion II „Rom", wobei im ersteren Falle „Homer" (Die homerische Sprache" - „Die
ursprüngliche Geschichte vom Falt Troias") im Zentrum stand, im letzteren Erkennt-
nisse zur Gesellschaft und Ökonomie der römischen Antike zur Diskussion gestellt
wurden. Der Abschlußvortrag verband unter dem Titel: „Vom griechischen Homer
zum römischen Vergil" die beiden großen Bereiche der antiken Welt; er fand jedoch,
da an Vergil „ein abendländischer Begriff von Autorität und Unterordnung" so festge-
macht wurde, daß man im römischen Autor nur noch den „Chefideologen des Augu-
stus" erkennen konnte, nicht den ungeteilten Beifall der Zuhörer. Die Tagung, die

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