Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Lorke, Ariane; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg [Mitarb.]
Kommunikation über Kirchenreform im 11. Jahrhundert (1030-1064): Themen, Personen, Strukturen — Mittelalter-Forschungen, Band 55: Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019

DOI Seite / Zitierlink: 
https://doi.org/10.11588/diglit.54853#0184
Überblick
loading ...
Faksimile
0.5
1 cm
facsimile
Vollansicht
OCR-Volltext
III Kommunikation über Kirchenreform
zur Zeit Heinrichs III.

Als Basis für die Analyse von Kommunikation über kirchenreformrelevante
Themen findet im Folgenden der zugrundeliegende Kommunikationsbegriff
Erläuterung. Die anschließende Analyse konzentriert sich zunächst auf die
personelle Ebene: So wird ein exemplarischer Einblick in das reformerische
Kommunikationsverhalten anhand zweier Personen gewonnen, und darauffol-
gend das Zusammenspiel der im Personenkatalog verzeichneten Reformer be-
leuchtet. Dies geschieht wiederum exemplarisch anhand zweier institutionell
gebundener Personengruppen sowie einer Strukturierung in .Aktionsgemein-
schaften', .Aktionskreise' und .Aktionsnetzwerke'. Es schließen sich strukturelle
Analysen zu den Kommunikationsmitteln, der Bedeutung von Öffentlichkeit
sowie des Raumes an. Außerdem werden die Bedeutung und das Verhältnis von
direkter und indirekter Kommunikation sowie Widersprüche zwischen Norm
und Praxis diskutiert. Überlegungen zur chronologischen Entwicklung runden
die Untersuchung ab.

III. 1 Zum Begriff Kommunikation
Obwohl der Begriff .Kommunikation' infolge des so genannten .linguistic turn'
erst 1970 Eingang in die Mediävistik fand, lagen bereits zur Jahrtausend wende
über 1580 Titel zur mittelalterlichen Kommunikation vor.1039 Geschuldet ist dies
vor allem dem zweiten großen Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaf-
ten in den 1980er Jahren, der weg von einer rein strukturgeschichtlichen Be-
trachtung der Vergangenheit hin zu einer Wahrnehmung als kulturellem Ganzen
führte.1040 Dieses große und breit gestreute Forschungsinteresse brachte aller-
dings noch keinen allgemein akzeptierten Kommunikationsbegriff hervor, der
den spezifisch mittelalterlichen Bedingungen gerecht würde.1041 Bislang wird

1039 Vgl. die Auflistung bei Mustert, Approaches 1999, S. 193-296. Der zeitliche Schwerpunkt lag und
liegt noch immer auf dem Spätmittelalter: Die „Freie Suche" im OPAC der Regesta Imperii am
09.07.2017 (<http://opac.regesta-imperii.de/lang_de>) nach den Stichwörtern „Kommunikati-
on" und „Spätmittelalter" ergab 139 relevante Titel, von denen 111 aus den letzten 30 Jahren
stammen. Ersetzt man „Spätmittelalter" durch „Hochmittelalter" erhält man lediglich 34 Treffer,
von denen 24 den letzten 30 Jahren zugehören. Selbstredend offenbart eine solche Stichprobe
lediglich Tendenzen. Röckelein, Kommunikation 2001, S. 5 lieferte den jüngsten Überblick zur
mediävistischen Kommrmikationsforschung. - Zum ,lingustic tum' vgl. Schöttler, Angst 1997.
1040 Zur so genannten ,Neuen Kulturgeschichte' vgl. einführend Maurer, Kulturgeschichte 2005.
1041 Diese Feststellung zum Mittelalter generell bei Münsch, Publizistik 2006, S. 166, für das Spät-
mittelalter bei Günthart - Jucker, Kommunikation 2005, S. 7. Der Begriff fehlt beispielsweise im
Nachschlagewerk „Geschichtliche Grundbegriffe".
 
Annotationen