Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

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Burgfelden.

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3. Kurgfeideil,

Dorf, Geineinde III. Klasse, mit 221 evang. Cimv., die nach Pfeffingen
eingepfarrt sind.

Burgfelden, der zweithöchst gelegene Ort der Alb, liegt
auf dem ziemlich ebenen Plateau des feitlich in viele Thäler
zerrifsenen, felsigen Gebirgsstocks, der durch das Margrethanfer
und Lautlinger Thal von der Hauptmasse der Alb abgetrennt,
nach vorne terraffenförmig gegen das Eyachthal abfällt, desfen
Südfeite der Heersberg, dessen Nordseite Böllat heißt, indeß nach
Westen dnrch einen merkmürdigen fchmalen Felskamm getrennt
der Felsblock der Schalksburg oorspringt. Unvergleichlich groß-
artige und mannigfaltige Aussichten öffnen fich nach allen Seiten.
Nahe dem westlichen Rande liegt frei und eben das bescheidene,
doch saubere und von gnt gehaltenen Straßen durchzogene Oert-
lein, in desfen Mitte sich die uralte, schon von anßen (Nordseite),
dnrch eine Reihe von 3 hoch liegenden, tief eingeschrägten Rund-
bogenfenstern ihren romanischen Ursprung verrathende St. Michaels-
kirche, bis 1575 Mutterkirche, jetzt Filiale von Pfeffingen (von
der Ortsstiftnng zu unterhalten) erhebt. Sie stand wohl in enger
Beziehnng zu den Schalksburgern nnd mag ums Jahr 1100
gebant worden fein. Der gleichsalls alte, nnr theilweise noch
nmmauerte, anscheinend künstlich aufgefüllte Kirchhof umgibt sie.
Jhr Grundriß ist oblong, mit östlich anstoßendem, quadratischem,
zeltdnchbedecktem Thnrm. Vierstockig, zeigt dieser in den 2 obersten
Geschofsen bei genauerer Untersuchung vermauerte Doppelfenster,
von romanischen Säulen mit Aufsätzen (ob Würfelkapitellen ist
nicht sichtbar) getheilt. Das D dicke, enggefügte Mauerwerk ist,
wie an der Kirche, von einer FestigkeU und Feinheit der Aus-
führnng, die den Bau zu den ansgezeichneten Werken des Mittel-
alters stellt. An den Ecken hat der Thurm Strebepfeiler, mit
der Kirche steht er durch einen tonnengewölbten Eingang in
Verbindnng. Die Kirche selbst hat auf dcr Südseite drei go-
thische Thüren, die mittlere mit schönem frühgothischem Maßwerk,
das Fnnere ist frenndlich, schlicht. Die hölzerne getäfelte Decke
wird von 2 Sänlen getragen; die Brüstung der Westempore
zeigt eine merkwürdig geschnitzte, gothische (aber nn Altromanisches
erinnernde) Oberschwelle. Auch einige Reste gothischen Gestühles
sind vorhanden, ebenso ein achteckiger gothischer Taufstein. Am
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