Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Page: 495
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Thieringen.

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Was die kirchli ch en Verhältnisse betrisst, so erscheint schon
im I. 1275 ein hiesiger Psarr-Rektor zugleich anch Psarrer zu
Böhringen (OA. Rottweil) und Wehingen (OA. Spaichingeir —
vergl. S. 228), nnd verkaufte Wernher Schenk von Stausfen-
berg den 29. Jnli 1440 V^ des großen Zehnten und dazn den
Kirchensatz dahier nm 251 fl. Rh. an den Spital zn Ebingen.
Eine Frühmesse hierselbst wird bereits im I. 1429 erwähnt.
Ein Streit zwischen Stephan Widerspan, hiesigem Kirchherrn,
und den Heiligenpflegern dahier sowie den Spitalpflegern zu
Ebingen wurde den 11. März 1471 dahin entschieden, daß die
letzteren nicht schuldig sein sollten, dem ersteren sein Hans und
seine Schener im Bau zu erhalten. Jn den I. 1635 —1639 war
der Ort Filial von Pfeffingen, 1639 —1651 von Trnchtelsingen,
1651 — 1660 von Onstmettingen (Binder 441).

25. Thjerjilgen,

Gemeinde III. Klasse, mit 893 Einw., worunter 3 Kath. n. Thieringen,
Pfarrdorf, mit Marktgerechtigkeit, 864 Einw.; b. Heidenhof, 27 Einw.;
o. Vohenthal, Haus, 2 Einw. Die Katholiken sind nach Hausen am
Thann, OA. Rottweil, eingepfarrt.

Thieringen hat auf der europüischen Wasserscheide eine merk-
würdige Lage, indem es nach der einen Seite in das gemuldete
Thal der oberen Beera, welche im Orte entspringt, hinabsieht,
nach der andern ins enge der Schlichem, welche, weiter oben in
der Fortsetzung jenes Thals entspringend, den niederen Theil
des Orts durchfließt, um sich uach Westen in langem, zuerst
wildem, dann ^schleichendem" Lanfe zum Neckar zu wenden.
Steile, zum Theil scharfkantige, zum Theil mehr gerundete Berge
umschließen die Thäler. Die Markung erstreckt sich auf die 2 vor-
dersten Vorsprünge der Südseite des Lautlinger Thals, den
^Winkel^ mit großartigen Felspartien und das ^Horn^ mit
herrlicher Aussicht aufs Niederland.

Von chaussirten, gekandelten, gut gehaltenen Straßen durch-
zogen, breitet sich der stattliche Ort mit seinen meist weiß ge-
tünchten Häusern behaglich aus.
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