Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

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Änhang.

Die Linkenboldshöhle bei Onstmettingen.^)

„Linkenboldslöchle" ist der uralte Name für eine 220 in
lange Höhle, welche erst seit wenigen Jahren dem Publikum
zugänglich gemacht wurde. Früher waren die Besucher genöthigt,
an einer 8 nr langen Leiter durch ein natürliches Schachtloch
in die Höhle niederzusteigen. Die Höhle liegt anf der Höhe
zwischen dem Schmiecha- und Starzelthal in der Nähe der
Wasserscheide aus deni Terrain dcs oberen weißen Jura, der
die Höhlensormation der Gegend bildet. Die nahe gelegenen
Felsgrotten, wie der ^Veitlesfels^ auf Truchtelsinger Markung
oder ^Hüttenkirch", sind im mittleren weißen Jura gelegen.
Der letztere Name bezeichnet eine Grotte, die in früheren Aeiten
der Jntoleranz als Kirche benützt worden sein soll; an Hütten-
kirch stößt das „LaistlochV eine gleichfalls geräumige, wenn auch
nnr mittelft Schlnpfens zn erreichende Grotte. Ebenso ist der
.^Backofenfels^ von Klüsten und Rissen durchsetzt.

Jn diesem Revier zerklüfteter und gespaltener Felsen liegt
der Linkenbohl mit der Höhle, 2,5 üni vom Mittelpunkt des
Dorses entfernt. Der Weg zu dem Linkenbohl ist nicht gerade
leicht zu finden ans der kahlen vom Wind bestrichenen Hoch-
fläche, indem verschiedene dortige Berghöhen einander zum Ver-
wechseln ähnlich sehen. Auch ist der Zutritt zu der Höhle ohne
die Schlüssel zu der eisernen Thüre nicht möglich, welche den im
Jahr 1875 künstlich erössneten Zugang verschließt. Der Be-
sucher hat sich daher im Dors nach dem Führer nmzusehen,
der die Höhle öfsnet nnd ihm leuchtet. Früher war der Besuch
uoch viel umständlicher nnd schwieriger, indem erst Leitern ge-

Von Professor Dr. Fraas.
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