Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Page: 447
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Meßstetten.

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17. Meßstetteir,

Gemeinde II. Kl., mit 1374 Einw., wornnter 6 Kath. nnd 1 Jsr.

n. Meßstetten, Pfarrdorf, 1350 Einw.; b. Eichhatderhaus, 9 Einw. s

o. Eichhalderhof, 7 Einw.; 6. Obere Mühle, 4 Einw.; 6. Untere

Mnhle, 4 Einw. Die Kath. sind nach Lautlingen eingepfarrt.

Meßstetten liegt, nach drei Seiten von starken Hügeln,
welche die enropäische Wasserscheide tragen, umschlossen, nur nach
Norden gegen den Rand der tiesen Schlucht des Thalbachs
einfallend, in welche ein Theil des Orts noch hinabsteigt,
auf dem hier beginnenden Plateau der Hardt, die in nnmittel-
barer Nähe ziemlich öde, weiterhin durch Wäldchen und Baum-
gruppen, Felspartien und Aussichten (die umsassendste voin Wei-
chenwang, n. w. des Orts, mit einer Station der europäischen
Gradmessung; vgl. Hossingen) doch mancherlei Reize entfaltet.

Der ziemlich weitlänfige Ort hat reinliche, chaussirte und
gekandelte Straßen und großentheils sreundliche, doch auch minder
ansehnliche Häuser.

Ziemlich in der Mitte der Längenape des Orts erhebt sich
auf eiuem Felshügel über der Lautliuger Schlucht die alte,
etwas zu kleine Kirche mit hübschem Thurm auf der Nordseite,
der in ein achteckiges Glockenstockwerk mit Zeltdach endigt und
2 Glocken enthält, die kleinere von Kurtz in Reutlingen 4839,
die größere mit der Jnschrift: Ou puoeru äomiua 1u äiedus
uostrl8; M6 keoit Hau8 OeorA 86ro1ä 1u NtuttAurät unuo
1658. Das Jnnere der Kirche ist getüfert und durch ringsum
lauseude Emporeu verstellt, doch durch breite rundbogige Fenster
hinlänglich erhellt; es zeigt eine hübsch geschnitzte Kanzel und
ein schönes messingenes Altarcrucifip.

Unmittelbar westlich schließt sich das alte, gleichfalls frei-
stehende von Wiese und Garten umgebene Pfarrhaus au. Beide
Gebäude hat die Stiftung zu unterhalten.

Etwas einmärts liegt das Schulhaus, zugleich Rathhaus,
erbaut 1834 mit 3 Lehrzimmern und einer Schullehrerswohnung
(der zweite Schullehrer hat Miethzinsentfchädigung, ein Lehr-
gehilfe gleichfalls ein Zimmer im Schulhaus). Außerdem besitzt
die Gemeinde ein Armenhaus und ein Schafhaus.

Der Gottesacker wurde 1831 außerhalb des Orts verlegt.

Straßen führen nach Ebingen und Unterdigisheim (Post-
straße), Hossingen, Lautlingen, Hartheim.
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