Paulus, Eduard [Hrsg.]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Hrsg.]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Seite: 368
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Ortsbeschr,eibung.

brüder Berthold und Walger Keru vou Bisiugeu verkausteu deu 31. d. M.
eine hiesige Leibeigeue um 10 Pfd. Hllr. au deu Grafeu Friedrich deu
Aelteren vou Zollern. Gras Friedrich gen. Mülli vou Zollern verschrieb
deu 21. Jan. 1390 seiuer lieben Muhrne Katharinen der Kameriu, Heiutz-
liu des Walstetters Ehegattiu, 3 Mltr. Vesen sährlichs Gelds aus dem
hiesigeu Zehnten sRou. ^olleran. 184, 186, 289). — Der Seelhof da-
hier erscheint seit dem Ende des 14. Jahrhuuderts (1390) im Besitze
des Klosters Alpirsbach, welches die Familie Götz als Maier auf dem-
selben hatte, doch gab es verschiedene Zwistigkeiteu und im I. 1467
zog das Kloster den Hof wegen unberechtigten Verkauss eines dazu
gehörigen Hölzleins und Unbotmäßigkeit des Heinrich Götz auf kurze
8eit vorüberqehend als verwirktes Lehen ein (verql. Glatz, Alpirs-
bach 73, 93, 305, 338).

Ein hiesiger Bauern- und Lehenhof, der Freihof, auch Weisenhof
genannt, war im I. 1619 im Besitz des Friedrich Walther von Anweil
und kam dnrch dessen Tochter Maria Jakobe von Anweil an deren
Gemahl, Albrecht Wurmser von Vendenheim. Die Ehegatten verkauften
sedoch den Hof mit einigen weiteren Gefällen am 10. Mai 1627 um
2000 fl. an Herzog Johann Friedrich von Württemberg; am 20. Febr.
1642 erwarb ihn Christoph von Türk, in der Folge Kapitän über die
Balinger und Tuttlinger Kompagnie, von Hans und Jakob Dankel-
maier rnn 1800 sl., von diesem den 24/14. Juni 1657 sein Schwager
Marimilian Jakob Gingcr, Freiherr von und zu Grünbühl, Kapitän
der Sulzer Kompagnie, um 2500 sl., und von dessen Gattin Maria
Cleopha, geb. Schöner von Straubenhardt, mit Einwilligung ihres in
Oesterreich weileuden Gemahls Hans Vötsch zu Ostdorf am 24. Mai
1665 um 2018 fl. — Ueber rosenfeldische Zehnten dahier, gräflich
tengensche Lehen, s. oben S. 294.

Während des 30jährigen Kriegs war der Ort 1640 bis
1644 Filial voir Thieringen, 1644—1662 von Ostdorf; nach
Röders öfters genanntem Lepikon zählte er 597 Seelen.

Jn fpeziell kirchlicher Beziehnng koinmt dahier bereits im
I. 1275 ein Pfarr-Rektor Heinrich von Thieringen vor (vergl.
S. 228). Ein Beguinenhaus wird das erste Mal erwähnt, als
Auberlen Keller und seine Schwester Luck von Ostdorf den
9. Januar 1433 der hiesigerr und der Geislinger Klause eine
jahrtiche Gült voir 2 Scheffeln Korn aus ihrem Biertel des
Ostdorfer Zehenten fchenkten; sie blieb stets rinbederrtend und
wurde durch die Reformation aufgehoben (Lobolä, Oir^. 8aer.
mon. 538. Sattler Topogr. 391 oberr S. 297).
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