Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Page: 370
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Ortsbeschreibuug.

lige, eine mit Kerze (Genofeva), eine mit Krone und Kelch
(Barbara), unten St. Georg und St. Franziskus.

Von den drei Glocken des Thurmes ist die größte 1838
von C. A. Kurtz und S. in Reutlingen, die kleinste alt mit
den Nameu der vier Eoangelisten in Majuskelschrift; die mitt-
lere zeigt ein Kruzisixrelief und schwer zu lesende Majuskelbuch-
staben (noch schwieriger zu lesen und ebenso unklar als an
der Truchtelfinger Glocke). Benachbart, mit schönem Garten,
liegt das gleichfalls von der Stiftung zu unterhaltende, 1811
erbaute, freundliche Pfarrhaus. Das 1841 erbaute Ralh- und
Schulhaus enthält zwei Lehrzimmer und die Wohnungen für
einen ständigen und einen unständigen Lehrer. Auch eiu Wasch-
und Backhaus, ein Armenhaus, ein Schafhaus mit Farrenstall
und Spritzenremise besitzt die Gemeinde. Bei dem Quellen-
reichthum der Markung ist gutes Trinkwasser hinlünglich vor-
handen, das durch 5 lausende und 5 Schöpfbrunnen gefpendet
wird und uur noch sorgfältiger vor dem Eindriicgen unreiner
Beimischungen bewahrt werden sollte. Auch eine Wette ist au-
gelegt. Die Staatsstraße Balingen-Rosenfeld berührt die Mar-
kung und von ihr zweigt sich eine Vizinalstraße in den Ort ab,
der einige unbedeutende Brücken (Dohlen) über den Bach zu
unterhalten hat.

Die kräftigen, Fleiß und Ordnung liebenden Einwohner
sind in mittleren Vermögensverhältnissen. Der Vermöglichste
besitzt etwa 8 Iia, der Miltlere 2—3 lla, die ärmere Klasse ist
neben einigen eigenen Güterstücken im Genuß der Gemeinde-
allmanden inr Betrag von circa 70 a auf den Mann. Maurer,
Steinhauer, Zimmerleute arbeiten auswärts, dasweibliche Gcschlecht
betreibt Handschuhnäherei Auch.einiger Brctterhandel und Hausir-
handel mit Kümmel und Wachholderbeeren wird, letzterer von
Weibsleuten, ins Großherz. Baden getrieben. Dem Verkehr
dienen drei Schildwirthschaften und eben so viele Krämer. Jn-
dustrieschule wird gehalten.

Die ziemlich große, von Nordeu nach Süden sich weit er-
streckende Markung liegt größtentheils auf dem unteren Lias,
nördlich noch im oberen Keuper. Nur der kleinere Theil ist
tiefgründig genug, um ergiebig zu sein, der größere leidet ent-
weder durch Nässe oder durch steinigen und schieferigen Untergrund.
Am Warrenberg sind einige Morgen Ried und auch sonst saure
Wiesen vorhanden. Weiße, grobkörnige Keupersand- und blaue
Liaskalksteine werden, doch nicht ausreichend, als Bausteine ge-
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