Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 10.1907

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Die Epikureer in Syrien.
In der ersten Zeit ihres Bestehens wirkte die epikureische Schule, soweit wir
sie heute verfolgen können, vornehmlich in einem Dreieck, an dessen Enden
Athen, die PropontisJ) und die dorischen Inseln im Südwesten Kleinasiens sich
befinden, darüber hinaus ging nur ein nach Ägypten reichender Ausläufer^)
Der Gründer der Schule war ein Athener, sein Nachfolger, Hermarchos, ein Myti-
lenäer. Nach dem dritten Oberhaupte, Polystratos, dessen Heimat noch nicht
bekannt geworden ist/) kam wieder ein Athener, Dionysios, zur Leitung, und der
sie ihm streitig machte, Diotimos, war ein Landsmann von ihm.s) Die Schule stand
auch mit Pürsten im Verkehre. Eifrig pflegte sie ihre Preundschaft mit Lysi-
machos, in dessen Besitz die Stadt Lampsakos im Jahre 302 gekommen war, in
Athen verkehrte bei ihr der Halbbruder des Königs Antigonos, Krateros, und
Kolotes widmete ein Werk dem Ptolemaios Philadelphos.
Es geschah aber nicht von ungefähr, daß nach der Schulherrschaft des Diony-
sios ein Tyrier, Basileides, zum Vorstand gemacht wurde.?) Um dieselbe Zeit
erringt sich sein Schulfreund Philonides aus dem syrischen Laodikeia eine ein-
flußreiche Stellung unter den Gelehrten und Politikern seiner Zeit und bei den
Seleukiden wird die Lehre des Epikuros zur Hofphilosophie.
Die übrigen Nachrichten über Basileides von Tyros sind sehr spärlich.
Er hat in Alexandreia mit dem Vater des Hypsikles mathematischen Studien
obgelegen, er schrieb wie auch sein Schul- und Zeitgenosse Thespis über den

1) Eine im Garten verkehrende Hetäre Hedeia
stammte ans Kyzikos (Usener, Epicurea 407, 416).
Der attische Grabstein IG II 3107 (nach Kumanudis
1920) Ήδ....
Ασχλ[ηπ . ..
Κυζ[ίχην . .
kann auf sie bezogen werden, wenn die Buchstaben-
formen in die frühe Diadochenzeit gehören.
2) Karneiskos und Phiiistas, vgl. Kolotes und
Menedemos (Studien zur Palaeographie und Papyrus-
kunde, hrg. v. Dr. C. Wessely, Heft VI) S. 72.
3) Usener, Epicurea fr. 106. In einer ägypti-
schen, einen Pachtvertrag darstellenden Urkunde aus
derZeit des Philadelphos, P. Petriell 143, erscheinen
als gemeinschaftliche Pächter Epikuros und Metro-
doros. Mahaffy nahm an, daß die Namen erdichtet

wären, und so mögen auch die der Verpächter (De-
metrios und Dionysios sind kenntlich) aufzufassen
sein. Die Urkunde war also nur ein Muster, eine
Vorlage. Die Dioskuren des Gartens aber wären
nicht gewählt worden, wenn sie nicht im Nillande
Anhänger gehabt hätten, und Z. 3 ist vielleicht
Μητροδώρωί Α[4ψκίου (vgl. Diog. Laert. X 22) zu
schreiben. Ist das folgende Τ]υρρψώί sicher ge-
lesen? Es erregt Verdacht, daß Ακμψκχψωί so nahe
liegt, auch wäre damit die Lücke besser ausgefüllt.
4) Die Form des Namens gestattet keine Zu-
weisung. Er ist zwar in Athen sehr häufig, fehlt
aber auch nicht in den ionischen und dorischen Ge-
bieten Kleinasiens.
3) Kolotes 84.
3) Etwa 210—180 (Kolotes 87).
J Diog. L. X 23; Kolotes 88.
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