Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 9.1914

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XVII.

Zur Begründung einer animistischen Ästhetik1).

Von

Alfred Werner.

Kritisches;

Der erste Teil dieser Abhandlung sollte den Grundstein einer ani-
mistischen Ästhetik bilden. Da ich mich nun in grundwissenschaft-
lichen und psychologischen Fragen an die Philosophie Johannes
Rehmkes angeschlossen habe, und von dieser Grundlage aus eigene
Ansichten entwickle, ist es wohl angebracht, die eigene Auffassung
des Ästhetischen gegen die Theorien bekannter Ästhetiker, die philo-
sophisch anders orientiert sind, abzuv/ägen. Vielleicht gelingt es, da-
durch zugleich die eigene Meinung schärfer zu markieren. Hierbei
treten — wie es verständlich ist — Gegensätze schärfer heraus als
Übereinstimmungen. Der polemische Ton der Darstellung ist in der
Sache begründet und vom Verfasser nicht etwa aus persönlichen
Gründen angeschlagen, zumal es sich um kritische Auseinandersetzung
mit einer Reihe ausgezeichneter Forscher handelt.

1. Die Einfühlung bei Theodor Lipps.

Den wesentlichen und grundlegenden Unterschied der »Einfühlung«
bei Th. Lipps von unserer Auffassung des ästhetischen Genusses be-
gründet die psychologische Unterlage. Rufen wir uns die Gefühlslehre
von Lipps und die von Rehmke ins Gedächtnis zurück! Wir ergänzen
nun jene Darstellung, vergessen aber nicht, daß bei Lipps das Wort
Gefühl dreideutig ist.

Gefühl bedeutet für uns als ein Zusammen von Zuständlichem und
von maßgebendem sowie begleitendem Gegenständlichen eine Be-
stimmtheitsbesonderheit des Bewußtseins. Mit Lipps von einer »Tätig-
keit« beim »Fühlen« zu sprechen, geht nicht an. Sprechen wir von
einer »Tätigkeit« des Bewußtseins, so verstehen wir darunter stets ein

') Vgl. den ersten Teil im Juliheft dieser Zeitschrift.


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