Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 12.1917

Page: 85
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zaak1917/0091
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DAS STEIGERUNGSPHÄNOMEN BEIM KÜNSTLERISCHEN SCHAFFEN. 85

andere so gut wie gar nichts träumen —, so müßten auch die Traum-
erscheinungen in differentiell - psychologischer Hinsicht untersucht
werden. Erst dann könnte zu einem Erklärungsversuch geschritten
werden, der die alte Ansicht von einem eigenen Traumorgan in der
moderneren Fassung der Annahme bestimmter struktureller Feinheiten
oder auch Besonderheiten vielleicht wieder aufleben ließe. Diese struk-
turellen Besonderheiten müßten dann mit der Anlage für das künstle-
rische Schaffen zum Teil identisch sein.

Drängt sich die Wesensverwandtschaft des Steigerungsphänomens
mit der Steigerung im Traume auch gewaltsam auf, der deskriptiv-
psychologische Unterschied darf doch nicht übersehen werden. Der
Steigerung im Traume fehlt die Ichseite, das emotional-dynamische Mo-
ment, während wir gerade dieses als einen Wesenszug für das Steige-
rungsphänomen des schaffenden Wachzustandes bezeichnen mußten.
loading ...