Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 22.1928

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560 GESELLSCHAFT FÜR ÄSTHETIK. VORANZEIGE DES KONGRESSES.

das jugendliche Erleben nicht als durchgehend ästhetisch an. Nach dem Aufweis
der Ähnlichkeiten hebt er auch die Unterschiede zwischen jugendlicher und ästhe-
tischer Einstellung hervor; eine Verschiedenheit im Verhalten sieht er besonders in
bezug auf die Auswirkung des einzelnen Akts. Biologisch bedeutungsvoll ist nach
Dr. Luther das ästhetische Erleben Jugendlicher als Mittel, sie über sich selbst
hinaus und zur »Erwachsenen-Wertung« der Dinge hinzuführen. In der Diskus-
sion spricht zum Problem der jugendlichen Oeisteshaltung Lic. Dr. Delekat; sein
eigenes Interesse an dem Thema liegt auf einer anderen Linie, nämlich in den
Fragen: 1. inwieweit gehen von der Kunst und von dem Schönen starke erziehe-
rische Wirkungen auf den Jugendlichen aus? nach seinen eigenen Beobachtungen
ist nur eine bestimmte Auswahl von Kunstgebieten dem Jugendlichen ästhetisch
zugänglich; 2. wie weit kann in der Heilpädagogik die Kunst erzieherisch verwertet
werden? 3. wie weit üben unmittelbare und starke ästhetische Erlebnisse einen Ein-
druck aus, der unter Umständen zur Gleichsetzung mit dem Objekt führen kann —
eine typisch jugendliche Haltung. Die Grundlage zur Beantwortung dieser Fragen
hat Dr. Luther in seinem Vortrag gegeben, wie Professor Dessoir betont. Zu den
Ansichten Dr. Luthers über das ästhetische Verhalten äußert sich Privatdozent Dr.
von Allesch gegensätzlich; die vorgenommene Abgrenzung des Jugendlichen und
Ästhetischen erscheint ihm nicht hinreichend, er vermißt eingehendere Ausführungen
zum Gestaltbegriff. Dr. Luther ergänzt seine Darstellung dahin: er steht dem Gestalt-
Begriff der Leipziger (F. Krueger, Ipsen, Sander) näher als dem Köhlers und Wert-
heimers. Den Begriff »ästhetisch, hält er für abgegrenzt durch seine Angabe, daß
realistische Bezogenheiten für das Ästhetische nicht in Betracht kommen; das
ästhetisch Gegenständliche betont er absichtlich nicht; er hat das Problem ins
Psychologische und Subjektive gestellt. Eine Ergänzung wäre nach Ansicht von
Professor Dessoir notwendig. — Auf ein spezielles Thema lenkte Dr. Karl von Bezold
die Aufmerksamkeit der Mitglieder in seinem Vortrag über »Die Bedeutung der
Theorie der bildenden Kunst von Gustaf Britsch« (mit Lichtbildern, am 18. Mai). In
der Diskussion entwickelte Dr. von Allesch seine eigene, an vielen Punkten ab-
weichende Meinung. Gertrud Jung.

Voranzeige des Kongresses
für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft.

Für die Zeit vom 8. bis 10. Oktober 1929 ist die Abhaltung des vierten
Kongresses für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft in Hamburg geplant.
Die Vorträge sollen vor allem einer Durchdringung und Weiterführung der durch
L e s s i n g angeregten und geförderten Probleme gelten, wie es das Jahr des
200. Geburtstages Lessings (22. Januar 1929) und der Ort der Veranstaltung nahelegen.
In den Mittelpunkt gestellt und von verschiedenen Seiten beleuchtet werden die
Probleme: Wort und Bild (ut pictura poesisj — wobei die Abwandlungen der
Beziehungen von bildender und redender Kunst zur Sprache gelangen —, der Problem-
kreis der Hamburgischen Dramaturgie und seine praktische Auswirkung, und
endlich die erzieherische Bedeutung der Kunst. — Alle Anfragen sind zu richten
an den Schriftführer Herrn Privatdozenten Dr. Hermann Noack, Hamburg 39,
Gryphiusstraße 3, IV.
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