Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 22.1928

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XIV.

Macbeth.
Eine Interpretation.

Von

Helene Herrmann.

Das Werk hebt an mit einer kurzen, starken Vision: auf der Heide
im Gewittersturm begegnen sich drei Hexen. Eine Stimme greift in
den Raum, sie scheint aus Unbekanntem zu kommen. »When shall we
three meet again?'« Das Bild der Szene ist flüchtig, wie durch einen
Riß im Nebel, ihr Hörbares aber hat festeste Fügung. Im Wechsel-
geraun der Hexen begrenzen sich deutlich drei Sinn-Gruppen, jede
dreigliedrig, dann ein schließendes Verspaar.

1. Witch. When shall we three meet again,

In thunder, lightning, or in rain?

2. Witch. When the hurlyburl/s done,

When the batüe's lost and won.

3. Witch. That will be ere the set of sun.

1. Witch. Where the place?

2. Witch. Upon the heath.

3. Witch. There to meet with Macbeth.

1. Witch. / come Graymalkin!

2. Witch. Paddock calls.

3. Witch. — Arwn! —')

All. Fair is foul, and foul is fair:

Höver through the fog and filthy air.

Die Glieder der drei Gruppen sind gleich lang gebildet: zweimal zu-
erst eine Frage, dann zwei Antworten, die zweite eine Ergänzung der
ersten. Das drittemal eine leichte Abwandlung, die aber tief greift,
alle drei Stimmen antworten, alle drei einem Ruf, der von draußen
an sie ergeht, sie sprechen nicht mehr in den Kreis hinein: »/ come
Oraymalkin, Paddock calls — Anon! —« i) Die Antworten verkürzen
sich von drei Worten zu zweien, zu einem aufscheuchenden Ruf. Der
Reim bleibt aus in dieser Gruppe, die anderen waren durch Reimanklänge
verschlungen. Dies Rascherwerden der Antworten, dies Ausbleiben

') Die Verteilung des Verses auf drei Stimmen wird durch den Parallelismus
der ersten zwei Gruppen nahegelegt.
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