Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 17.1892

DOI issue: DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.37655#0281

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
DIE MUSEN DES PRAXITELES

Als die dem Praxiteles zugeschriebenen Musen - Reliefs
-von Mantinea entdeckt wurden, hätte man erwarten können,
dass eine alte Controverse wieder auflebte, nämlich die, ob
Praxiteles eine Musengruppe gebildet oder nicht. Da aber
Alle, welche sich bisher über den wichtigen Fund geäussert,
zwar—mit Ausnahme Overbeek’s — den praxitelischen Cha-
rakter zugeben, mit keinem Worte jedoch jener Überlieferung
gedenken, so will ich nicht länger zögern dies nachzuholen,
zumal auch die vor wenigen Jahren erschienene Monographie
über die Musen davon schweigt. Plinius erwähnt bekannt-
lich ein praxitelisches Werk Thespiacles , einmal unter den
Bronzen (XXVI 39), einmal unter den Marmorwerken (XXIV
69). Wir erfahren, dass Mummius dieses Werk dem L. Lu-
cullus lieh, der es aber nicht wiedergab, sondern es zugleich
mit dem Tempel der Felicitas weihte1. Zu Plinius’ Zeit be-
fanden sie sich auch dort nicht mehr ; er sagt faere ; das
könnte einmal (XXXVI 39) durch blosse Entlehnung einer
Geschichte aus Yarro, den er citirt, veranlasst sein, wo erzählt
wird, dass ein vornehmer Römer sich in eine dieser Gestalten
verliebt hätte2, da er aber auch im 34. Buch denselben Aus-
druck gebraucht (ante F. aeclem faere) und dort von dem
Brande des Tempels spricht, so werden die Statuen bei die-
ser Gelegenheit ihre Stelle gewechselt haben. Über ihren wei-
teren Verbleib hören wir nichts. Eine Copie vermutet man3

1 Einen andern Tempel der Felicitas, oder einen Neubau dieses, der ab-
brannte, errichtete Lepidus.Vgl. Brunn, Gesch. der griech. Künstler I S. 546.
2 Die Erzählung ist übrigens nicht zu verwechseln mit jener andern von
der unreinen Liebe eines Römers zu einer Venus.
3 Brunn, Gesch. der griech. Künstler I S. 546, bestimmter Benndorf in
der weiter unten erwähnten Schrift.
 
Annotationen