Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 17.1892

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LEKYTHEN AUS ATHEN

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Genüge als Herrscher kennzeichnen. So scheint Jahn der
Wahrheit am nächsten zu kommen, wenn er das Ganze als
Aufzug eines orientalischen Königs, etwa des Sardanapallos
fasst. Für das orgiastische Gebühren des Gefolges hat er schon
mit Recht auf Monumenti IV Taf. 43 hingewiesen, um so
mehr, als Welcker’s Deutung dieses Bildes auf den Hofstaat
der Antiope 1 nicht das Richtige trifft: es ist vielmehr auch
hier ein orientalischer König durch Scepter und aufrechte
Tiara zur Genüge charakterisirt2. An welchen Herrscher der
Sage oder Geschichte in diesem Fall der Maler gedacht hat, ist
wol ebensowenig zu sagen wie bei jenem orgiastischen Aufzuge.
Auf der athenischen Lekythos kehrt die Hauptperson, der
auf dem Kamel reitende König, fast genau so wieder wie in
jenem Bild, nur schreitet das Reittier nach der entgegenge-
setzten Seite und die Armhaltung des Reiters ist etwas verän-
dert, auch scheint das kurze Scepter in seiner Hand zu feh-
len. Die Bedeutung wird trotzdem dieselbe sein, und wir dür-
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fen uns also das Haupt mit der aufrechten, königlichen Tiara
bedeckt ergänzen.
Die gleichzeitig mit diesem Gefässe gefundenen Lekythen
bieten inhaltlich kaum Interesse. Es wird deshalb eine kurze
Aufzählung genügen. Nach Technik, Form und Dekoration
entspricht zunächst der besprochenen völlig eine 21 y2Gm hohe
Lekythos. Die Gestalt, mit schwarzem Firniss auf den gelb-
lichen Grund gemalt, ist ziemlich gut erhalten, ln der Abbil-
dung Nr. 5 ist nur das zum Teil abgesprungene Haar nach
sicheren Spuren ergänzt.
Fast dieselbe Darstellung ist auf einer l6cm hohen flüchti-
gen rotfigurigen Lekythos wiederholt; s. Nr. 3. Form und
Dekoration ist im Grossen und Ganzen wiederum dieselbe;

■< Annali 1847 S. 294 = Alte Denkmäler III S. 353. Vgl. Sacken und Ken-
ner, Die Sammlungen des K. K. Münz- und Antiken-Oabinetes S. 163, 69.
2 Vgl. R. von Schneider in der Übersicht der kunsthistorischen Samm-
lungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (1891) S. 65,683.Wie er mir freund-
üchst mitteilt ist der Kopf der thronenden Figur, wie sich nach Entfernung
der Übermalung zeigte, bärtig.
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