Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

Page: 50
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1911/0066
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
50

W. DORPFELD

unter dem jetzigen Parthenon liegende Unterbau schon vor
den Perserkriegen errichtet ist. Der Bau war zuerst als Poros-
Tempel geplant, wurde aber noch vor der Zerstörung Athens
durch die Perser in einen Marmorbau umgeändert. Dieser
stattliche Tempel, der das alte Hekatompedon nicht ersetzen,
sondern neben ihm als neuer Athena-Tempel bestehen
sollte, war noch nicht über die ersten Säulentrommeln hin-
ausgekommen, als die Perser mit der übrigen Akropolis
auch das Holzgerüst des Neubaues einäscherten. Der vom
Feuer beschädigte, nur angefangene Bau blieb ein Menschen-
alter lang als Ruine liegen, bis er unter Perikies nach
verändertem Plane als jetziger Parthenon neu erstand.
Durch die Beobachtungen Hills werden diese allgemei-
nen Resultate nicht berührt; es verändern sich aber die Ab-
messungen und Grundrisse der alten Tempel und die Zahl
ihrer Säulen. Hill hat bemerkt, dass eine aus Harnstein be-
stehende Stufe des älteren Baues, von der ich AM. XXVII
1902, 382 sage, dass sie an der SW-Ecke des jüngeren Par-
thenon als Unterlagestein der südlichen Stufen verbaut ist,
noch in ihrer alten Lage sich befindet und dass weiter öst-
lich bis an die SO-Ecke des Parthenon noch die ganze Reihe
dieser Stufen unter den späteren Marmorstufen in situ liegt.
Zufällig habe ich auf Abb. 1 jenes Aufsatzes (S. 383) die ge-
naue Lage jener älteren Stufe unterhalb meiner älteren Säule
eingezeichnet. Ihre Vorderkante liegt etwa 1,70 m von der
Vorderkante meiner Stufe I entfernt. Über dieser Stufe aus
Karastein ergänzt Hill für den Marmortempel noch zwei wei-
tere Stufen, von denen er viele Stücke nachweisen kann, und
erhält so einen Stylobat, der zu einem kleineren Tempel ge-
hört, als ich ihn ergänzt hatte. Die kurzen Seiten dieses
Tempels können nicht mehr 8, sondern nur noch 6 Säulen
gehabt haben. Rings um diesen Marmorbau bildeten die älte-
ren Stufen ein unter dem Boden liegendes, nicht sicht-
bares Podium, das eine Breite von 2,10 m an den Lang-
seiten und eine etwas grössere an den Fronten hatte. Auch
dem älteren grösseren Porosbau, dem er ebenso wie ich die
Stufen des Podiums zuschreibt, glaubt er nur 6 Säulen an
den Fronten geben zu dürfen. Die nur geplanten Säulen
loading ...