Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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DIE WANDGEMÄLDE VON TIRYNS.

VORBERICHT.
(Hierzu Tafel VIII).

Von den überraschenden Funden mybenischer Wand-
gemälde, die in Tiryns während der Frühjahrsgrabung des
letzten Jahres zu Tage kamen, hat Furt Müller im Archaeo-
logischen Anzeiger von 1910, 171 f. kurz berichtet. Die ergie-
bigste Fundstelle — am Westabhange oberhalb der kleinen
Treppe—war wenige Tage vor dem Abschluss der Grabung
angeschnitten worden. Eine Ergänzungsgrabung, die im De-
cember des letzten Jahres stattfand, brachte von neuem eine
grosse Zahl höchst bedeutender Fragmente ans Licht. Die
Bearbeitung, in erster Linie das Zusammensetzen der ein-
zelnen Fragmente, ist noch nicht beendet, die zeichnerische
Reconstruction der erhaltenen Gemälde und Ornamente hat
erst begonnen. Über den jetzigen Stand der Arbeit und ihre
bisherigen Ergebnisse wurde bei der letzten Sitzung des In-
stituts (8. März 1911) in einem Vortrage berichtet, dessen
wesentlicher Inhalt hier kurz wiedergegeben wird.
Die Gesamtmasse der Fragmente, deren Zahl einzig von
den knossischen noch übertroffen wird, zerfällt in mehrere
Gruppen, die nach den Fuudumständen in verschiedene Perio-
den gewiesen werden. Etwa die Hälfte der Funde entstammt
den Anschüttungen, die bei der Anlage des jüngeren Palastes
gemacht wurden. Alle diese Fragmente sind älter als der jün-
gere Palast; sie tragen, aus so verschiedenen Teilen dieser
Anschüttungen sie auch herrühren, einen völlig einheitlichen
Charakter. Die am Westabhange gefundenen Fragmente sind
nach einem Brande über die Westmauer des Palastes her-
untergeworfen worden. Diese Mauer ist wahrscheinlich erst
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