Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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DAS HERAKLEION VON MELITE.

(Hierzu Taf. II. III).

Über die Sagen und Kulte des Herakles sind zwar um-
fangreiche Abhandlungen und Bücher unserer besten Gelehr-
ten geschrieben worden, das reiche Material der literarischen,
inschriftlichen und bildlichen Überlieferung wurde mehrmals
gesammelt und besprochen — und doch besitzen wir bisher
noch kein einziges vollständig ausgegrabenes Herakleion. Je
mehr wir aber lernen, ein wie grosser Teil der griechischen
Sage und Göttervorstellung auf den Kultus zurückgeht, um
so dringender müssen wir in den Ruinen der Heiligtümer
ein sicheres Fundament für die religionsgeschichtlichen For-
schungen suchen. Somit wäre es von grosser Bedeutung, wenn
es uns gelingen sollte, ein altes und gut erhaltenes Hera-
kleion nachzuweisen. Dazu bedarf es aber keiner neuen Aus-
grabung. Denn das Heiligtum, das wir als Herakleion und
zwar als ein literarisch bekanntes zu bestimmen suchen, ist
nun schon über fünfzehn Jahre auf gedeckt, oft besprochen und
allgemein berühmt; aber es hat sich bisher unter einem fal-
schen Namen verborgen: es ist Dörpfelds Dionysion ev Mpvan.
Wer es unternimmt eine von W. Dörpfeld aufgestellte
und energisch verteidigte Hypothese zu bekämpfen, muss
auch bei dieser Gelegenheit den Scharfblick und die (Kon-
sequenz des unerreichten Meisters griechischer Ruinenfor-
schung bewundernd anerkennen. Durch die suggerierende
Kraft ihres Urhebers hat jene Theorie viele Anhänger gefun-
den, und auch die Gegner haben in gewissen Punkten die
zwingende Macht der Dörpfeld'schen Argumentation erfahren.
Dass auch der Verfasser der vorliegenden Abhandlung sich
ihr lange gefügt, gesteht er mit Freuden zu; allerdings hofft
er jetzt vor allem, seinen verehrten Lehrer selbst von der
Irrigkeit jener Hypothese überzeugen zu können.

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVI

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