Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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EINE ZWILLINGSSONNENUHR AUS PERGAMON.

Die bei den Ausgrabungen des Jahres 1907 gefundene
Sonnenuhr (Inv. Nr. 1539) weicht in mehrfacher Hinsicht
von allen bisher gefundenen (soweit wenigstens meine
Kenntnis reicht) beträchtlich ab und erfordert daher eine
eingehendere Behandlung b
In einen kreisrunden Block von 0,224 m Dicke und 0,363
Durchmesser ist eine Halbkugel von 0,328 Durchmesser ein-
gearbeitet. Die Unterseite ist geglättet und nicht darauf ein-
gerichtet, auf einer Basis aufzuruhen. Statt dessen ist an
einer Stelle seitlich ein roher Zapfen stehen gelassen (am
Ansatz 0,16, am Ende 0,105 breit, grösste Länge 0,12, Dicke
0,15), dem Stiel einer Pfanne vergleichbar, nur dass er unten,
nicht am oberen Rande sitzt. Er diente dazu, den Block in
eine Mauer einzulassen, sodass die Uhr etwa wie ein Brun-
nenbecken hervorragte. Da die Öffnung des Beckens selbst-
verständlich unbedeckt war, fand man es nötig, im Fuss-
punkte der Höhlung ein Loch (Weite 0,01) anzubringen, um
dem Regenwasser Abfluss zu schaffen (nach Dörpfelds evi-
denter Erklärung). Am oberen Rande befand sich, wie man
bestimmt annehmen darf, obwohl nur an einer Stelle die
Kante erhalten ist, an beiden Enden des Meridians eine

' Beschreibung und Analyse stützen sich mehr als auf zwei Photo-
graphien (deren eine, aufgenommen nach Ergänzung fehlender Teile in
Gips und Nachziehen der Ritzlinien mit Blei, als Abb. 1 beigegeben ist)
auf eine genaue Aufnahme und Vermessung aller Teile durch W. Dörpfeld.
Ihm werden nicht nur alle Maassangaben verdankt, sondern auch die
Beschreibung der Besonderheiten. Nur die Analyse der Construction ist
das Werk des Bearbeiters.
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